Methode ‚Dereflexion‘

Unter den Stichworten ‚Selbstdistanzierung‘ und ‚Selbsttranszendenz‘ wurde in der KrisenPraxis bereits über die einzig dem Menschen vorbehaltene Fähigkeit gesprochen, sich von seinen Ängsten, Zwängen, Stimmungen usw. selbst zu distanzieren. Aus dieser Fähigkeit heraus ergibt sich die zweite, nämlich das eigene Ego zu vergessen und sich einen Beitrag für etwas oder jemanden zu leisten, der man nicht selber ist. Selbstvergessenheit ist eine hohe Kompetenz – sie bewahrt den Menschen davor, zu viel Augenmerk auf sich, seine Probleme, Störungen oder die Krisensituation zu lenken. In einer solchen Form der ‚Hyperreflexion‘ gedeihen letztlich Spiralen der Angst, der Selbstwertminderung, des Rückzugs und vieler anderer psychischer Symptome – und in der Folge die nicht weniger kontraproduktiven Versuche, die Spirale zum Beispiel mit Sucht oder unangemessenen Verhaltensweisen zu durchbrechen.

In der Logotherapie wird daher angestrebt, die Person von ihrer übermäßigen Selbstaufmerksamkeit zu lösen, also eine Dereflexion herbeiführen. Dazu wiederum braucht es einen guten Ersatz, der die frei gewordene Aufmerksamkeit erhält. ‚Hin zum Sinn‘ ist dabei die erwünschte Richtung. Findet der Mensch Sinn, kann die Permanenz der Selbstbeobachtung, des übermäßigen Grübelns, der Schlechtrede in eigener Sache usw. aufhören. Es ist nun die therapeutische Kunst, beides zu schaffen, einen Prozess der Dereflexion einerseits und einen Prozess der Sinnfindung andererseits. Ein wesentlicher Schlüssel dafür liegt in der Entwicklung individuellen Wertebewusstseins – dazu aber an anderer Stelle der KrisenPraxis mehr.