Lageorientierung – warum sie sich in einer Krise nicht anbietet

In der Begleitung von Menschen in Krisensituationen achten wir in unserer Therapie- und Coachingarbeit darauf, möglichst schnell herauszuarbeiten, ob sich unser Gesprächspartner in der Lage- oder in der Handlungsorientierung befindet. Diese beiden unterschiedlichen Haltungen, mit einer Situation umzugehen, prägen dann das weitere methodische Vorgehen, unsere Wahl der Interventionen, die Entscheidung für die Form der Stabilisierung, den Umgang mit Emotionen u.a.

Die Lageorientierung zeichnet eine Person aus, die:

– die gegenwärtige Situation genau analysiert
– sich die derzeitige Lage immer wieder vergegenwärtigt
– auf die Suche geht nach vielen Informationen
– viele Menschen nach deren Einschätzung befragt
– sich mit zu vielen Daten, Eindrücken, Vermutungen, Recherchen förmlich ‚überschwemmt‘
– sich emotional damit befasst, was alles geschehen könnte, wenn …
– sich emotional damit befasst, ‚was nicht geht‘ und was ’sicher auch künftig nicht gehen wird‘
– misstrauisch ist gegenüber Handlungsempfehlungen
– sich selbst und ihre Fähigkeiten stark in Frage stellt
– eine Arbeitsweise wählt, in der Kontrolle von außen ausgeübt wird
– eine verweilende Haltung einnimmt ohne erkennbare Änderungsabsicht
– Rückmeldungen erhält wie: Sie sind Verhinderer, Zögerer, Schwierigkeitenfokussierer ….
– in ihrem Sprachgebrauch vorrangig den Zeithorizont Gegenwart-Vergangenheit abbildet

Das – üblicherweise – Gute an der Lageorientierung:

– die Person neigt nicht zu Schnellschüssen und voreiligen Entscheidungen
– sie achtet auf eine ausreichende Informationsbasis
– sie entschleunigt Abläufe
– sie wägt die verschiedenen Facetten der eingetretenen Situation ab
– sie sieht die nächsten Schwierigkeiten, mit denen in einer Krise gerechnet werden könnte
– sie entscheiden, wenn sie ein Gefühl der Sicherheit entwickelt haben
– sie handeln, wenn sie wissen, dass ‚es geht‘ und davon überzeugt sind

Zu beachten ist, dass dieses an ‚an sich Gute‘ in einer Krisensituation umschlagen kann in unzweckmäßige Blockaden und Selbsthindernisse. Dies zeigt sich so:

– die Person trifft keine Entscheidungen und mauert
– sie kommt zu keinen Ergebnissen aus ihren Überlegungen
– sie verzögert Abläufe – auch bereits vereinbarte
– die hindert Prozesse der Entwicklung
– sie entzieht anderen Energie und demotiviert
– sie emotionalisieren andere und verärgern ihr Umfeld
– sie strapazieren die Geduld