Archiv für den Monat: Januar 2015

Sie brauchen einen wissenschaftlichen Grund, warum Krisenprävention wirklich menschlich ist?

Nur die Fragen, die im Prinzip unentscheidbar sind – z.B. eine Frage, wofür genau ich mich entscheiden werde, wenn mein Haus abbrennt und alle Habe zerstört ist – können wir entscheiden. Absurd? Paradox? Dazu Heinz von Foerster:

„Warum? Einfach, weil die entscheidbaren Fragen schon entschieden sind durch die Wahl des Rahmens, in dem sie gestellt werden, und durch die Wahl von Regeln, wie wir das, was wir ‚die Frage‘ nennen, mit dem, was wir als ‚Antwort‘ zulassen, verbunden wird. … Aber wir stehen nicht unter Zwang, nicht einmal dem der Logik, wenn wir über prinzipiell unentscheidbare Fragen entscheiden. Es besteht keine äußere Notwendigkeit, die uns zwingt, derartige Fragen irgendwie zu beantworten. [Ob das der Grund ist, warum Krisenprävention ein solches Stiefkind ist? A.d.KrisenPraxis] Wir sind frei! Der Gegensatz zur Notwendigkeit ist nicht Zufall, sondern Freiheit. Wir haben die Wahl, wer wir werden möchten, wenn wir über prinzipiell unentscheidbare Fragen zu entscheiden haben.
Das sind die guten Nachrichten, wie amerikanische Journalisten sagen würden. Nun kommen die schlechten. Mit dieser Freiheit der Wahl haben wir die Verantwortung für jede unserer Entscheidungen übernommen.“

Auf Anraten seines Freundes Viktor Frankl, publiziert von Foerster 1948 seine Arbeit “Das Gedächtnis: Eine quantenphysikalische Untersuchung“ – diese Arbeit wurde Foersters Ticket in die amerikanische Wissenschaftsszene. Für die sinnzentrierte Therapiearbeit hat die Forschung von Foerster bis heute Relevanz, insbesondere Frankls Warnung davor, dass Menschen – er nannte es Hyperreflexion – wieder und immer wieder über ihre Probleme, Defizite, Mängel, Sorgen usw. nachdenken und reflektieren und begrübeln und damit nicht vergessen, was aber zur Gestaltung eines gelingenden Lebens zu vergessen ist.

Mehr über Heinz von Foerster:

 

Es ist kurzsichtig anzunehmen, dass man »Lösungen« für Menschen hat, an deren Leben man nicht teilnimmt und deren Probleme man nicht kennt.

Paul Feyerabend

Selbsttäuschung – Gegenspieler der Selbstreflexivität?

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/selbsttaeuschung/-/id=660374/nid=660374/did=13592962/glqmcz/index.html

Die Selbsttäuschung gilt als eines der seltsamsten geistigen Phänomene überhaupt und ist entsprechend rätselhaft. Wie konnte dieses Phänomen in die Welt kommen? Und warum? Viele Psychologen betrachten die Selbsttäuschung als Art Immunsystem der Psyche, das uns hilft, unser Wohlbefinden gegen einprasselnde Störfaktoren zu erhalten. Doch vor allem Philosophen geben zu verstehen: Selbsttäuschung macht uns nicht dauerhaft glücklich. Evolutionsbiologen sagen, die Selbsttäuschung ist entstanden, um die Täuschung der Mitmenschen zu perfektionieren.

Jeder von uns ist zum Teil für seine eigenen Gene verantwortlich. Denn es zeigte sich, dass der Umgang mit  Menschen, die uns unter Stress setzen, die epigenetischen Markierungen des Erbguts beeinflussen können. Es ist wichtig zu wissen, dass wir zum Teil für das Erbgut der Menschen verantwortlich sind, die von uns abhängen. Wenn wir Menschen schlecht behandeln, verändert sich ihr Erbgut.

Prof. Dr. Gottfried Schatz

Die Bedeutung der Reflexivität

Ein entwickeltes Maß an Reflexivität unterstützt einen Menschen darin, sein Denken und Handeln, das in einer Krisensituation nicht oder nicht mehr zielführend ist, zu verändern. Vorrangig dient es jedoch dazu, aktuelles Denken und Handeln mit früher gemachten Erfahrungen, erlernten Prozeduren oder geglückten oder gescheiterten Handlungen zu vergleichen – aus sinntheoretischer Sicht also ein Maß an Selbsterkenntnis durch Rückblick auf die im Leben vollzogene oder verfehlte Verwirklichung von Werten aufzubauen. Der Prozess der Selbstreflexion und die damit bestenfalls gewachsene Selbsterkenntnis bereitet präventiv den Raum, künftiges Denken und Planen zu strukturieren und es gegebenenfalls neuen Situationen gegenüber anzupassen.

Haben Sie Angst vor Krisenprävention?

in kaum einem anderen Land werden von Privatleuten so viele Versicherungen abgeschlossen wie in Deutschland. Und auch die Bereitschaft, sich medizinischen Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen, hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Mit beiden Maßnahmen geht einher, dass im Schadensfall – hoffentlich – sofort von Extern geholfen wird. Mit der aufsteigenden Angst findet sich mit einer Police oder einem Arzt eine Möglichkeit, sich beruhigen zu können und Hoffnung zu schöpfen. Dennoch wird schnell klar, dass der eigene Umgang mit der Situation entscheidend ist. Bin ich bereit, den Bedingungen zu trotzen, oder gebe ich mich nur ‚ab‘?
Individuelle Krisenprävention hilft dabei, sich frühzeitig die mentale Souveränität aufzubauen, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.

Manchmal findet man Menschen, die sich eine solche Form der Prävention auch vornehmen. Geht der Vorsatz dann aber nicht in Taten über, wird meist mit ‚wichtigeren Themen‘ und Zeitmangel argumentiert. Sprechen wir mit Psychologen über dieses bekannte Phänomen, so wird meist behauptet, die Personen hätten Angst, sich mit den potenziellen Krisenthemen und ihrem etwaigen Unvermögen, mit ihnen umzugehen, auseinander zu setzen. Sicher, eine solche Angst wird es auch geben – aber das Argument ist für uns dennoch zu kurz gegriffen. Wir glauben deshalb nicht so ganz daran, weil auch wir in Gesprächen mit Klienten und Patienten durchaus von der Bereitschaft hören, sich der Krisenprävention anzunehmen und wenn wir fragen, in welchen Lebensbereichen oder
-themen dies zweckvoll wäre, erhalten wir auch konkrete Antworten. Und bieten wir unsere Strukturhilfen, Modelle und unser Krisenwissen an, dann entstehen handfeste und reflektierte ‚Handlungsanweisungen in eigener Sache‘.

Wir glauben daher: Die meisten Menschen betreiben deshalb keine individuelle Krisenprävention, nicht weil sie Angst haben, sondern weil ihnen das methodische Werkzeug fehlt, das erforderlich ist, um sich nicht in der Welt möglicher Erschütterungen zu verlieren. Mit Life2Me wird dieses Werkzeug in Kürze verfügbar sein. Und zwar so, dass individuelle Krisenprävention am eigenen Schreibtisch vorgenommen werden kann, ohne Zeitdruck, individuell, wirtschaftlich und fokussiert.

Life2Me® – denn: ‚Krise – muss nicht sein!“

„Wenn du meinst, 
zu klein zu sein, 
um etwas zu bewegen, 
dann hattest du noch nie 
eine Mücke im Bett.“

Selbst-Transzendenz in Reinform

Als Kind wurde Rob Young von seinem Vater schwer misshandelt. Seine Erlebnisse hätten wohl ausgereicht, um lange Zeit auf einer Psychoanalyse-Coach zu landen. Young entschied sich anders. ‚Du kannst Dich so oder so Deinen Bedingungen stellen. Du hast Dich so eingestellt.‘, würde wohl Viktor Frankl zum ehemaligen Verkäufer aus einem Autohaus sagen, der seinen Job an den Nagel hing, um einen Weltrekord der besonderen Art zu schaffen. Der 31-jährige Brite läuft Marathon. Täglich. Nicht nur, um sich und seinem Ego etwas zu beweisen. Auch das, hatte doch seine Freundin prophezeit, dass er nicht einmal einen schaffen würde. Seit April 2014 hat er es geschafft, täglich einen zu laufen und er ist guten Mutes, sein Ziel zu erreichen, denn der Marathon-Mann, wie er in England nur noch genannt wird, sammelt Spenden für benachteiligte Kinder. Auch mit gebrochenem Zeh, wenn es nicht anders geht. Oder im Schottenrock, weil sich das Kinder von ihm gewünscht haben. Das, was Robert Young tut, hat nach der Überwindung des täglichen psychischen Schweinehundes einen zutiefst geistigen Aspekt. Young transzendiert sich auf das Wohlergehen von Kindern. Vielleicht, weil er selbst eine belastete Kindheit hatte. Vielleicht, weil er heute selbst Vater eines Kindes ist. Vielleicht aber auch, weil er verstanden hat, dass um sich selbst zu kreisen, ihn nicht weiterbringt – oder eben auf die Coach beim Psychiater.

Das, wie Young täglich handelt, wäre vielleicht durch ein Gespräch mit einem Logotherapeuten aus der Schule Frankls auch entstanden. Der Logotherapeut geht mit seinem Patienten ja auf Sinnfindung. Rob Young hat das alleine geschafft und auf eine Frage, die das Leben ihm stellte, geantwortet.

Vielleicht werden Sie nun sagen: Ja, aber ist nicht jeder Vater oder jede Mutter an sich für sein Kind da und kreisen sich die Gedanken nicht stets um das Wohl der Kinder? Reißen sich nicht täglich Eltern ein Bein aus, damit es den Kindern einmal besser geht als einem selbst?

Eine aktuelle Studie berichtet darüber, dass die Zerrissenheit zwischen Kind und Job vor allem bei Müttern der höchste Stressfaktor ist. Aber: Eltern machen sich den meisten Stress selbst. Mehr 60% der befragten Männer und drei Viertel der Frauen sprechen von sehr hohen Ansprüchen und Anforderungen an sich selbst und sind unzufrieden, weil sie glauben, ihrer Rolle nicht zu genügen.
Die Psyche dieser Eltern verleitet sie dazu, sich mehr mit ihren Befindlichkeiten und Sorgen zu befassen, sich mehr um ihr eigenes Ego zu kümmern. Überdies ein risikoreiches Spiel. Denn die ebenfalls befragten Kinder – 90% von ihnen – halten ihre Eltern für die besten der Welt. Hoffentlich nicht nur deshalb, weil sie merken, wie viele Sorgen sich ihre Eltern darum machen, nicht perfekt zu sein.

Trotzkraft des Geistes

Bei starken Belastungen, die Menschen in Familie, Beruf oder Gesundheit erleben, gewinnt das Psychische oftmals zumindest anfangs, nicht selten aber auch über eine recht lange Zeit die Oberhand. Aktiviert der Mensch seine psychischen Abwehrmechanismen und ‚kultiviert‘ er sie, so beginnt eine schleichend immer stärker werdende Abhängigkeit von eben diesen psychischen Reaktionsweisen. Der Mensch wird so zu einem ‚reagierenden Wesen‘, einem Wesen, das den freien Spielraum zwischen Reiz und Reaktion immer kleiner werden lässt. Spricht man einen derart auf sein ‚Psychisches‘ selbstreduzierten Menschen, dann hört man oft einen rechtfertigenden Satz wie: ‚Ich konnte einfach nicht anders.‘

Und doch: Die Möglichkeit zur Bewältigung dieser psychischen Dominanz geht nicht wirklich verloren. Die besondere Gabe des Geistes, ein ‚es hat mich‘ in ein ‚ich habe es‘ umzumünzen, hat bis auf Menschen mit gewissen cerebralen Störungen, jede Person.

Diese besondere humane Gabe ermöglicht es dem Menschen, sich über bestimmte Störungen [zum Beispiel psychische Frustration, Gefühle der Minderwertigkeit, Angst, Zwang, depressive Stimmungen], zu erheben und sich von diesen zu distanzieren.

Ein Beispiel aus Frankls Leben im Konzentrationslager beschreibt die herausragende Trotzkraft menschlichen Geistes. Es handelt von der letzten Scheibe Brot, die ein Hungernder einem noch Bedürftigeren, als er selbst es ist, schenkt. Das Magenknurren und ein niedriger Blutzuckerspiegel des Hungrigen repräsentieren die somatische Dimension. Auf der psychischen Ebene verspürt er ein Verlangen nach Essen, und Essfantasien quälen ihn. Der Hungernde würde nur allzu gerne das Brot selbst essen. Distanziert er sich jedoch von seinem psychischen und physischen Verlangen und gibt die letzte Brotscheibe einem noch Bedürftigeren, so hat das Geistige diesem Verlangen getrotzt.

Mangelndes Vertrauen ist nicht 
das Ergebnis von Schwierigkeiten.
Schwierigkeiten haben ihren Ursprung
in mangelndem Vertrauen.

Seneca