Tool: Sinnkalender

Sobald Menschen eine sie erschütternde Situation bearbeitet haben und sinnvolle Handlungen darauf warten, vollzogen zu werden, stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit. Wird die Veränderung in Lebenseinstellungen,in persönlichen Haltungen, im Verhalten zu anderen Menschen, in dem als wesentlich Erkannten von Bestand sein?

Auf unsere Frage in Coaching und Therapie, wie auf längere Sicht die Reflexion der erarbeitete neuen Einstellungen und Haltungen gesichert werden könnte, deuteten Patienten und Klienten zum einen an, mit Lebenspartnern, Freunden oder Kollegen über die Inhalte weiter im Gespräch bleiben zu wollen. Andere meinten, sie würden sich sicher immer wieder selbst Gedanken dazu machen, und nur wenige sagten, sie wollten sich regelmäßig durch schriftliche Aufzeichnungen in Erinnerung rufen, was sie erarbeitet haben und wie sie ihre Lebens- oder Arbeitssituation weiterhin festigen könnten.

Diese letzte Aussage korrespondiert mit unserer Erfahrung, dass nämlich nur etwa fünf Prozent unserer Klienten ein Tagebuch führen oder in anderer Form regelmäßig Aufzeichnungen über ihre persönliche Entwicklung oder Lebenserlebnisse fertigen. Wenn wir fragen, warum dies so ist, so werden zumeist als Gründe genannt:

  • ‚Ich sehe keinen Nutzen darin, Tageserlebnisse zu notieren.‘
  • ‚Es dauert zu lange, Aufzeichnungen zu machen.‘
  • ‚Ich weiss nicht, was ich da schreiben sollte.‘
  • ‚Mich interessiert nicht, was war, sondern nur, was kommt.‘

Hingegen haben wir gerade im Krisenkontext eine erhöhte Sensibilität dafür gespürt, dass Menschen mit sich und ihrem Umfeld achtsamer umgehen wollen. Auch die Aufgeschlossenheit, ein Tool zu nutzen, das ein dauerhafter Wegbegleiter zur Transfersicherung sein kann, ist in Krisensituationen höher als zum Beispiel im Rahmen von Konflikten oder Entscheidungsproblemen.

Aufbauend auf dem Tagebuchkonzept haben wir daher den webbasierten ‚Sinnkalender‘ entwickelt. Als Online-Kalender ist er überall und in deutscher und englischer Sprache verfügbar und durch persönliche Zugangsdaten geschützt. Jeder Kalendertag kann mit einer Ampelfunktion als guter, neutraler oder kritischer Tag markiert werden, und diese Markierungen dienen nach längerer Nutzungsdauer dazu, das Verhältnis dieser ‚Qualitäten‘ zueinander zu ermitteln und zu reflektieren.
Zu jedem Tag kann der Nutzer seine Tagesgedanken aufschreiben – je nach persönlichem Gusto ‚kurz oder lang‘ notieren, was ihn bewegt hat, was heute ‚gut‘ war und was sinnvollerweise zu tun sein wird. Zudem kann er aus einer umfangreichen ‚Stärken-Datenbank‘ die drei persönlichen Stärken auswählen, die er am Tag besonders deutlich eingebracht hat. Die Verteilung der Stärken kann nach längerer Nutzung des Tools analysiert werden – der Klient erkennt so, welche Stärken für ihn offenbar individuelle Erfolgsfaktoren darstellen.

Eine aus der Positiven Psychologie entlehnte Intervention stellen die ‚drei Danksagungen‘ dar. An jedem Tag kann sich der Klient kurz notieren, wem gegenüber er sich wofür bedanken kann. Diese Notizen werden durch eine automatisierte e-Mail-Funktion dem Nutzer am Folgetag zugestellt, so dass er dann entscheiden kann, sich wirklich bei den Personen, an die er gestern dachte, zu bedanken.

Der Sinnkalender ist pragmatisch konzipiert und programmiert. Werden in der Tagebuchfunktion die wichtigsten Ereignisse und Überlegungen stichworthaft festgehalten, so wird der Nutzer bei ritualisierter Anwendung täglich kaum mehr als zehn Minuten für seine Eintragungen aufwenden müssen.

Der Sinnkalender