„Krise stellt in ihrem Problemgehalt eine die vorhandenen
Bewältigungsmöglichkeiten übersteigende Belastungssituation dar,
die als temporäre Erfahrung, raumzeitliche verdichtet vom Subjekt
wahrgenommen wird. Eine Krisensituation hat zwar i.d.R. einen
konkreten Anlass, lässt sich aber begreifen als Kulmination
unterschiedlicher Belastungsmomente, die sich nur schwer oder gar
nicht auf ihre Ursache zurückführen lassen. Auf personaler Ebene
können starke Stimmungsschwankungen, Ambivalenzen sowie
Gefühle der Spannung und Angst auftreten. Eine Krise verlangt zur
Problembewältigung vom Individuum einen qualitativen Sprung zur
Neuorganisation von Kompetenzen. In ihrem Verlauf stellen Krisen
offene Veränderungsprozesse dar, die nicht linear, sondern in
Rückkoppelungsprozessen verlaufen. Eine Krise wird als eine die
ganze Person in Frage stellende starke Bedrohungssituation erlebt.
Der Umgang mit ihr hängt ab von der örtlichen sowie der sozialen und
gesellschaftlichen Umwelt.“

Hugo Mennemann