Archiv für den Monat: März 2015

‚Ungünstiges‘ im Prozess der Krisenbewältigung …

Sind durch eine Krise die bisherigen Handlungswege versperrt und erscheint die Zukunft unüberschaubar und unkontrollierbar, erleben die Betroffenen meist einen hohen Druck, da sie selbst oder auch ihre Umwelt eine ‚Funktionserwartung‘ haben, die es ihnen schwer macht, ihre Lage mit Distanz zu betrachten. Zunehmende Ratlosigkeit führt dann oft zur Resignation und zur irrationalen Ansicht, ein neues Ziel würde schon ausreichen, um endlich wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen.

Wird nun eine Entscheidung für ein Ziel getroffen nur der Entscheidung willen und tritt mit ihr nicht die erhoffte Verbesserung der Situation ein [z.B. eine spontane Entscheidung zum Jobwechsel und einer Ernüchterung, wenn die Integration ins neue Umfeld nicht glückt], dann sind die Selbstzweifel nicht fern, der Druck steigt, den Rest kann man sich denken.
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Akzeptanz des Unabänderlichen

Es gibt sie: Die Unabänderlichkeiten, die erlebten Situationen, die zwar gerne verändert werden würden, für die es jedoch keine aktuell verfügbare Ressource gibt. Dennoch versuchen es Menschen immer wieder, Unmögliches möglich zu machen. Sie wollen sich nicht als Opfer erleben, nicht hilflos erscheinen – also kämpfen sie, erschöpfen sich, vergeuden womöglich die Kräfte, die ihnen für einen besseren Weg durchaus zur Verfügung stünden, und erleben sich letztlich als inkompetent. Oder sie ergreifen die Flucht durch Ignoranz oder Leugnung, ohne sich dadurch in die Lage zu versetzen, einen Lernprozess ‚hin zum Sinn‘ zu eröffnen. Anstelle dessen, setzen sie sich Ziele, die aber mit den begrenzten Kräften und der beeinträchtigten Lebensfreude auch nicht erreicht werden können. Die Wirkung ist vergleichbar: Erst geflüchtet, dann gescheitert.

Gibt es andere Möglichkeiten? Ein bewährter und gangbarer Weg ist es, zuerst einmal das zu würdigen, was anfangs erreicht, bewirkt oder gestaltet werden sollte. Nur, weil sich etwas als nun unabänderlich erweist, verliert der Mensch ja nicht sein früheres Bestreben, sein anfängliches Bild vom Neuen, seine Hoffnung auf einen neuen Zustand. Dann – und dies ist ebenso wichtig – gilt es, die eigenen emotionalen Reaktionen zu würdigen. Wut, Ärger, Scham, Trauer – all das sind normale Reaktionen auf das, was anders sein sollte, nun aber nicht so ist. Der dritte Schritt ist die Würdigung der Versuche, die unternommen wurden – auch, wenn sie womöglich mehr geschadet oder Energie gekostet haben als vorausgesehen. Und schließlich ist auch das Hin- und Hergerissenheitsgefühl zu würdigen, das ein Mensch hat, wenn er zu entscheiden hat, eine womöglich völlig andere Richtung einzuschlagen als die einst geplante.

In der Krisenbegleitung wird ein Therapeut oder Coach gut beraten sein, einen Klienten diese Perspektiven einnehmen zu lassen – auch, wenn ihn dies aus dessen Sicht zu jemandem macht, der den Finger derart in die Wunde legt, so dass das ganze individuelle Erwartungskonstrukt ins Wanken gerät. Zu lernen, dass das Zweit- oder Dritt- oder das Viertbeste auch seine Qualitäten hat, ist für jeden Menschen eine Überwindung. Dennoch ist diese Haltung besser als die volle Verausgabung für etwas, dessen Zeit nicht gekommen ist.

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Vaclav Havel

Tablette contra Therapie

Forschungsergebnisse zeigen, dass eine nicht-medikamentöse Psychotherapie vielfach einer arzneimittelgestützten Therapie vorzuziehen ist. Von entscheidender Bedeutung bleibt dabei nach wie vor das reflektierte Vertrauensverhältnis, das der Patient zum Therapeuten aufbauen kann. Neurobiologisch wirkt dabei das Bindungshormon Oxytocin, das – wenn es ausreichend freigesetzt wird – dazu beiträgt, dass ein Mensch zur Umsetzung von Veränderungsabsichten bereiter wird und sich leichter daran macht, eingetretene Einstellungs- und Verhaltenspfade zu verlassen.

Beziehungsvertrauen trägt den Patienten also von der ersten Phase einer Therapie, in der Klärungsarbeit, Bewusstseinsbildung, die Reflexion von Unterschieden und Ambivalenzen und die Ressourcenstabilisierung im Vordergrund stehen, in die zweite. Hier beginnt der Patient aufbauend auf seinen Erkenntnissen die Umsetzung durch veränderte Haltungen, Handlungen, Kommunikationsweisen und den Umgang mit Rückschlägen und Widerständen.

Es liegt nahe, anzunehmen, dass flankierend eingesetzte Psychopharmaka den Übergang eben in diese zweite Phase stören oder irritieren können. Patienten, die medikamentös unterstützt werden, müssen daher umfassend über die Wirkung der Mittel aufgeklärt werden.

Wenn ich Dich darum bitte, mir zuzuhören, und Du Dich aber bemühst, mir Ratschläge zu erteilen, dann hast Du weder verstanden, worum ich Dich gebeten habe, noch was ich jetzt brauche.

Wenn ich Dich darum bitte, mir zuzuhören, und Du Dich aber bemühst, mir zu erklären, ich dürfte nicht so fühlen, dann trittst Du auf meinen Gefühlen herum.

Wenn ich Dich darum bitte mir zuzuhören, und Du Dich aber bemühst, meine Probleme zu lösen, dann hast Du mich nicht verstanden und Du bist weit weg von mir.

Bitte, hör mir doch zu! Alles, worum ich Dich bitte ist, erzähle mir nichts und tue jetzt auch nichts, höre mir einfach nur zu.

Ratschläge sind billig zu haben, Horoskope und Ratgeber gibt es am Zeitungsstand. Ich kann sie mir kaufen, denn ich bin nicht hilflos! Ich bin vielleicht entmutigt und mir fehlt es an Klarheit aber hilflos bin ich nicht.

Wenn Du aber etwas für mich tust, was ich selber für mich tun kann und auch tun muss, dann trägst Du dazu bei, dass ich ängstlich und schwach erscheine.

Wenn Du es aber einfach als eine schlichte Tatsache akzeptierst, dass ich so fühle wie ich fühle, egal wie irrational es Dir auch erscheinen mag, dann kann ich aufhören an Dich zu appellieren und kann beginnen zu verstehen was geschehen ist.

Wenn Du das verstanden hast, dann kann ich besser verstehen, was geschah, und dann werden sich auch Antworten einstellen.

Vielleicht hilft deshalb manchen Menschen das Gebet, weil Gott schweigt und keine Ratschläge gibt, weil er geduldig darauf warten kann, dass wir selbst die Antworten finden.

Also, bitte höre mir zu.

Und wenn du dann sprechen willst, dann verspreche ich, dir zuzuhören.

Aus der Betreuungsarbeit der Polizei San Francisco