Tablette contra Therapie

Forschungsergebnisse zeigen, dass eine nicht-medikamentöse Psychotherapie vielfach einer arzneimittelgestützten Therapie vorzuziehen ist. Von entscheidender Bedeutung bleibt dabei nach wie vor das reflektierte Vertrauensverhältnis, das der Patient zum Therapeuten aufbauen kann. Neurobiologisch wirkt dabei das Bindungshormon Oxytocin, das – wenn es ausreichend freigesetzt wird – dazu beiträgt, dass ein Mensch zur Umsetzung von Veränderungsabsichten bereiter wird und sich leichter daran macht, eingetretene Einstellungs- und Verhaltenspfade zu verlassen.

Beziehungsvertrauen trägt den Patienten also von der ersten Phase einer Therapie, in der Klärungsarbeit, Bewusstseinsbildung, die Reflexion von Unterschieden und Ambivalenzen und die Ressourcenstabilisierung im Vordergrund stehen, in die zweite. Hier beginnt der Patient aufbauend auf seinen Erkenntnissen die Umsetzung durch veränderte Haltungen, Handlungen, Kommunikationsweisen und den Umgang mit Rückschlägen und Widerständen.

Es liegt nahe, anzunehmen, dass flankierend eingesetzte Psychopharmaka den Übergang eben in diese zweite Phase stören oder irritieren können. Patienten, die medikamentös unterstützt werden, müssen daher umfassend über die Wirkung der Mittel aufgeklärt werden.