‚Ungünstiges‘ im Prozess der Krisenbewältigung …

Sind durch eine Krise die bisherigen Handlungswege versperrt und erscheint die Zukunft unüberschaubar und unkontrollierbar, erleben die Betroffenen meist einen hohen Druck, da sie selbst oder auch ihre Umwelt eine ‚Funktionserwartung‘ haben, die es ihnen schwer macht, ihre Lage mit Distanz zu betrachten. Zunehmende Ratlosigkeit führt dann oft zur Resignation und zur irrationalen Ansicht, ein neues Ziel würde schon ausreichen, um endlich wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen.

Wird nun eine Entscheidung für ein Ziel getroffen nur der Entscheidung willen und tritt mit ihr nicht die erhoffte Verbesserung der Situation ein [z.B. eine spontane Entscheidung zum Jobwechsel und einer Ernüchterung, wenn die Integration ins neue Umfeld nicht glückt], dann sind die Selbstzweifel nicht fern, der Druck steigt, den Rest kann man sich denken.
Eine andere, schlechte Alternative besteht darin, darauf zu warten und zu hoffen, dass andere Menschen die Lage derart verbessern, dass es einem selbst auch wieder gut geht. Wer sich in eine derartige Abhängigkeit begibt, findet meist nicht den erforderlichen Sinn in der neuen Lage, schlechtestenfalls einen ‚Schuldigen‘ für die sich einstellende Verschlechterung.

Geht man zwar besonnener an eine neue Zielsetzung heran, bleibt aber unklar in der Beschreibung des angestrebten neuen Zielzustands, dann ist zu prüfen, woher diese Zielsetzungsunsicherheit rührt, worin die Blockaden in der Priorisierung genau bestehen und welchem Konflikt möglicherweise durch die Unklarheit ausgewichen wird.

Last but not least kann einem selbst dann, wenn eine Krise mit einem deutlichen Entwicklungsziel absichtsvoll überwunden werden soll, die Luft in der Umsetzung ausgehen. Oft ist hier als Grund der Inkonsequenz ein unzureichend entwickelter positiver Affekt zu erleben. Konzentrationsschwierigkeiten oder eben auch die bei näherem Hinleuchten mangelnde Sinnstärke des Ziels können Gründe dafür sein. In der Folge erlebt der betroffene Mensch durch seine Verzagtheit oder sein Gespür, irgendwie doch einer falschen Fährte zu folgen, einen Rückschlag und das Erleben von Inkompetenz.

Wie kann ein besserer Weg ausschauen?
[Beispiele]

1. Verkleinerung der Ziele und damit schnellere Erfolgserlebnisse oder leichtere
Korrekturmöglichkeiten als bei einem ‚komplett neuen Lebensentwurf‘
2. Ansprache und Hilfeannahme von wohlgesinnten Menschen
3. Selbstfürsorgliche Kommunikation – gut über sich selbst und das Erreichte sprechen
4. Veränderung des Verständnisses von ‚richtig‘: richtig meint nicht perfekt,
sondern ‚Richtung weisend‘
5. Danken. Jeder Dank macht deutlich, dass ein kleiner Schritt geschafft ist.