Warum [nicht nur] bei Krisen am Ende nur die Handlung zählt

Krisen erhöhen die Komplexität für einen Menschen schlagartig. Einem Krisenereignis zum Beispiel im Berufssystem folgen Wechselwirkungen in den privaten Systemen – ein fallender Dominostein bewirkt Instabilität, solange, bis entweder keine weiteren Steine mehr fallen können oder bis eine massive Intervention ein bewusstes ‚Stop‘ setzt. Instabilität wird jedoch durch etwas anderes, was Menschen meist intensiv versuchen, nicht gemindert: durch Analyse.

Dem ‚Mental Research Institute‘ in Palo Alto ist die Erkenntnis zu verdanken, dass Probleme und Lösungen im Kontext menschlicher Veränderungsprozesse nicht sehr eng miteinander verbunden sind. Menschen, die ihre Probleme umfassend und lange analysierten und sie dabei auch immer besser verstanden, machten die Erfahrung, dass ihnen dieser kognitive Aufwand nicht bei der Lösung der Problemstellung half. Umgekehrt jedoch kamen Menschen auf originelle Ideen, denen die Zeit nicht gegeben war, ihre Problemstellung in ihren Tiefen zu ergründen. Die offenkundige Unabhängigkeit von Problem und Lösung wird so heute in Teilen der Psychotherapie zum Anlass genommen, keine Zeit mehr auf Problembeschreibungen aufzuwenden, sondern alle Energie auf das Änderbare zu lenken. Dabei stehen meist zwei Perspektiven im Fokus der Arbeit: ‚Gibt es Zeiten, in denen das Problem nicht auftrat?‘ und ‚Was wäre zu beobachten, wäre das Problem nicht mehr existent?‘ Werden Menschen gut darin geführt, zu entdecken, worin Unterschiede, Ambivalenzen und Ausnahmen lagen und liegen könnten, so finden sie oft schnell zu für sie passenden Handlungsmöglichkeiten.

Auch die originäre sinnzentrierte Psychotherapie nach Viktor Frankl setzt darauf, der ‚Hyperreflexion‘ Einhalt zu gebieten und anstelle einer intensiven Suche nach Ursachen den Blick auf das im Hier und Jetzt sinnvollerweise zu Handelnde zu lenken. Drei kleine Meta-Regeln sind in einem derartigen Perspektivenwechsel in Bezug auf die Arbeit mit komplexen, menschlichen Krisensituationen nützlich:

‚Wenn etwas nicht zerstört ist, dann repariere es nicht.“ – z.B. wenn trotz einer Krisensituation zwischenmenschliche Beziehungen gut intakt sind, dann soll der Klient nicht versuchen, sie als belastet zu interpretieren und versuchen ein Problem zu beheben, wo gar keines besteht.

„Wenn etwas funktioniert, dann mach mehr davon.“ – z.B. wenn ein menschliches Verhalten den persönlichen Schmerz in einer Krise lindert und mindert, dann soll der Klient angeregt werden, dieses Verhalten öfter einzusetzen.

„Wenn etwas nicht funktioniert, hör auf damit und mach etwas anderes.“ – z.B. wenn eine Form der Entspannung nicht wirkungsvoll ist, dann soll der Klient nicht mit der Methode wetteifern, um mit ihr doch eine Wirkung zu erzielen, sondern zügig zu einer anderen Methode greifen.