Krisenprävention – nicht nur für junge Menschen

[Fortsetzung von vorgestern]

Sich von sich selbst alles gefallen zu lassen. Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? Erst war das Problem an sich noch zu bewältigen. Doch dann kam das eskalierte Gefühl dazu, in Form von Hass, Aggressivität, Ignoranz, Feigheit, Rache u.a. – der Mensch ließ sich von seiner Psyche alles gefallen und schon war sie da, die Krise. In existenziell schwerer Lage ist es ohnehin unabdingbar, sich aus den Fängen der Emotionalisierung zu befreien. Gelingt das nicht, potenzieren sich die Schwierigkeiten. Über seine Antreiber und roten Knöpfe Bescheid zu wissen, sie zu bändigen und in ein gesundes Maß zu führen, ist fraglos in belastungsarmen Zeiten leichter als unter dem Einfluss von Orientierungs- und Hilfslosigkeit.

Sich nicht mit den Kindheitsschemata zu befassen. Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? Weil heutige Krisen häufig den Charakter eines Musters aus der Kindheit aufzeigen. Werden vom Kind entwickelte, unpassende Formen der Bewältigung von z.B. Angst durch den nun Erwachsenen nicht angepasst oder abgelöst, dann bleibt das Repertoire des Umgangs mit Krisen entsprechend dürftig. In existenziell schwerer Lage sowohl alte Schemata zu identifizieren und in ihrer Wirkung zu mindern als auch erforderliche neue Bewältigungsformen zu lernen, darf als ungleich schwieriger angesehen werden als zu Zeiten eines halbwegs entspannten psychischen Zustandes.

Sich zu lösen von der Orientierung am Negativen. Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? In der Tat, die Psychologie weiß von Menschen, die sich erst dann motivieren, wenn sie Defizite, Mangel, Fehler, Unzulänglichkeiten wahrnehmen. Manche Berufe brauchen diese Form der ’negativen Selbstmotivation‘. In eigener ‚Krisensache‘ jedoch wird diese Haltung zu einer harten Nuss. Menschen glauben so zum Beispiel, dass sie allein die Schuld an der Krise zu tragen haben, dass sie doch ohnehin Pechvögel sind, dass sie nie und nimmer wieder aus dem Tal herauskommen können. In existenziell schwerer Lage muss man also auf die Fähigkeit zurückgreifen können, sich nicht den Blick auf das ‚Gute trotz allem‘ zu verbauen. Das jedoch erst dann zu lernen, wenn die Belastung am größten ist, grenzt fast ein wenig an Aberwitz.

Sich mit Konsumspaß an der Sinn-Investition vorbeizumogeln. Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? Weil man in existenziell schwerer Lage sich darauf verlassen muss, neuen Sinn finden zu können, indem man in Hingabe zu – durch die Krise noch – Verborgenem seine Werte verwirklichen kann. Spätestens im Moment dieser Erkenntnis weiß der Mensch, die präventiv vorgenommenen Investitionen in Sinnvolles [nicht in Egozentriertes], zu schätzen.

Sich nicht einzureden, immer stark, perfekt, lieb usw. sein zu müssen. Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? Weil man in existenziell schwerer Lage mit fixierten Verhaltensmustern nicht weiterkommt, sie womöglich sogar ihren Beitrag zur Vehemenz der Situation leisten oder geleistet haben. Verhaltensgeschmeidigkeit zu entwickeln, gehört wohl zu den anspruchsvollsten Entwicklungsprozessen eines Menschen. Ist ein Mensch frei von Glaubenssätzen, so und nur so in dieser Welt zurechtzukommen, dann wird diese Beweglichkeit in Belastungssituationen günstige Wirkung zeigen.