Dankbarkeit ist Lebenskunst

Zu den in dieser Zeit anscheinend wenig attraktiven Werten gehört die Dankbarkeit. Kein Zweifel besteht daran, dass viele angesichts der sich ihnen ständig anbietenden und auf sie einströmenden materiellen Dinge und „geistigen“ Angebote Mühe haben, über das, was sie erlebt haben, in aller Ruhe nachzudenken. (…) Das führt dazu, dass sich ihr Wertehorizont verengt, sodass sie kaum noch Schönes, Positives und Wichtiges zu erkennen in der Lage sind. Wir lesen von Dankbarkeit in Märchen. Sie sagen, dass der Undankbare am Glück vorbei, der Dankbare dagegen mitten ins Glück hinein geht. Was ist Dankbarkeit? Sie ist die Folge des Nachdenkens über gehaltvolles, sinnerfülltes Leben, das ein Mensch in wechselnden Situationen erleben durfte. Dankbarkeit ist darüber hinaus die gefühlte Erkenntnis, dass nicht alles, was wir an Erfreulichem erleben, von uns abhängt, dass nicht nur wir selbst auf unser Leben Einfluss nehmen, sondern es auch auf uns Einfluss nimmt. Ein dankbarer Mensch sagt Ja zum Leben. Er ist erfüllt von den Gründen seiner Dankbarkeit. Er gewinnt eine positive Suchhaltung gegenüber dem, was auf ihn zukommt. Er gewinnt darüber hinaus Kraft, auch die „undankbaren“ Dinge gelassener hinzunehmen. Er kann lernen, sie als integralen Bestandteil des Lebens zu sehen. Dankbarkeit ist deshalb höchste Lebenskunst.

aus: Uwe Böschemeyer: „Begeisterung fürs Leben. Die Kraft deiner Gedanken“, 2013