Krisenprävention – nicht nur für junge Menschen

So manche individuelle Krise von heute stellt sich als mangelhafte Reflexion des eigenen Verhaltens oder unzureichend durchdachter Entscheidungen in der Vergangenheit heraus – sie sind also ‚hausgemacht‘. Nun kann man zwar altklug sagen: ‚Ja, hättest Du damals doch ….‘ – das jedoch hilft nicht weiter, wenn die Krise eingetroffen ist. Aber vielleicht gibt es Korrekturmöglichkeiten bei sich selbst oder bei Menschen, die offen sind für eine ‚präventives Wort‘?

Hier unsere ersten 4 von unseren Top 17 – zusammengetragen aus den Biografien von Menschen, die ich in den vergangenen 15 Jahren als Coach und später auch als Therapeut in Krisen begleiten konnte:

Sich mit Menschen zu umgeben, die einen selbst vom Weg gelingenden Lebens abbringen.
Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? Weil man in existenziell schwerer Lage unbedingt gelernt haben muss, sich nicht nur binden, sondern auch trennen zu können. Fällt einem Trennung schwer, dann besteht die Gefahr, dass man sich an etwas klammert, was einen entweder noch weiter in die Belastung führt oder was sich von anderer Seite bereits von einem selbst getrennt hat.

Sich darin einzurichten, das Leben eines anderen zu leben. Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? Weil man in existenziell schwerer Lage die ohnehin massive Belastung als noch bedrückender empfindet, wenn mit der Krise etwas aufzugeben ist, was nicht nur mit einem selbst, sondern mit Versprechungen verbunden ist, die man einer anderen Person in Bezug auf die Erfüllung ihrer Erwartungen oder Hoffnungen gegeben hat. Ein Beispiel ist die Zusage am Sterbebett eines Elternteils, den Erhalt des Elternhauses sicherzustellen. Was hier oft unternommen wird, um den anderen zu ‚beruhigen‘, birgt das Risiko, sich eines Tages als Lebensfalle zu zeigen.

Sich nicht um die Menschen zu kümmern, die einem auf dem Weg zu einem gelingenden Leben gut tun. Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? Weil man in existenziell schwerer Lage unbedingt auf Erlebnisse zurückgreifen können muss, die einen wieder stabilisieren, erfreuen und zur Wiederanknüpfung aufrufen.

Sich nicht mehr über sein Image, sondern über seine Identität zu definieren. Warum ist eine Veränderung in diesem Thema krisenpräventiv? Weil man in existenziell schwerer Lage schnell lernt, dass die Menschen, die bisher nur am ‚Schein‘ interessiert waren, in dem Moment, in dem es um das ‚Sein‘ geht, verschwunden sind. Hat man zu erkennen versäumt, welche eigenen Anteile ’scheinbar‘ sind, dann hat man in der Krise gleich zwei Fragetöpfe auf dem Herd: Wer bin ich in Folge der Krise (und, wer war ich zuvor)? und Wer steht mir künftig (noch) nah? Zusammen mit dem eigentlichen Thema der Krise ist diese Gemengelage oft komplett überfordernd. Es lohnt also die Frage, wer einem nur deshalb nahe steht, weil man in einer Weise ‚er-scheint‘ wie es dem anderen gefällt, einem selbst jedoch nicht wirklich entspricht.

[übermorgen geht’s weiter]