Theracoaching – Begleitung einer Führungskraft – Teil 3

Fortsetzung von gestern

Coach: Ich möchte Ihnen einige Gedanken anbieten, die sich aus dem Gespräch bisher für mich ergeben:  Ich frage mich, was Ihre Frau als „Grund“ für ihren Trennungswunsch genannt hat – und was Sie selbst als Anlass dafür sehen?

Dann denke ich, dass neben Stolz auf das, was Sie unzweifelhaft geleistet haben etwas wie Empörung oder Trauer darüber spürbar ist, dass Sie menschlich, privat dafür wenig „Gerechtigkeit“ oder „Dankbarkeit“ empfangen haben.

Ferner entsteht in mir ein Knoten im Hirn, wenn Sie bei Ihrer Lebensgeschichte sagen, Sie seien oder fühlten sich „leer“. Ich frage mich, ob es nicht eher ein Gefühl von Fülle ist, der Ihnen „leer“ erscheinende Raum also längst gefüllt ist, Sie aber noch keinen Zugang dazu haben? Was meinen Sie könnte Sie dennoch dazu bringen zu behaupten, Sie seien „leer“ ?

— Hinweis zur Prozessarbeit: Zuletzt haben wir erlebt, dass der Klient etwas mehr von sich berichtet hat – wobei es ja immer wünschenswert ist, wenn der Klient möglichst viel zu erzählen bereit ist. Dosierte Gedanken zu äußern, Ergänzungen und mehr Genauigkeit anzubieten und das Aufzeigen aufscheinender Widersprüche – das alles dient dem Versuch, den Klienten zu mehr Klarheit zu sich selbst zu führen. Momentan erscheint der Klient in einer Haltung zu sein, das bisherige (Leben) in Frage zu stellen aufgrund einer diffus empfundenen und beschriebenen, irgendwie (noch) nicht „begriffenen“ Leere. Wobei er an dem Bisherigen festhält, ohne dass es „verteidigt“ wird; es scheint nur noch als Anker zu dienen in Ermangelung von irgendetwas anderem inmitten der „Leere“. Es könnte jetzt darum gehen, die „Leere“, ihre Herkunft und Gründe genauer zu betrachten und zu umkreisen, da der Klient davon bisher Abstand gehalten und es vermieden zu haben scheint, sich von ihr konfrontieren zu lassen. —

B.L.: (nachdenklich): Einige Ihrer Gedanken berühren mich wie Nadelstiche. Vielleicht holpern meine Gedanken, aber ich spüre, dass ich einem Satz anhänge: „Man trennt sich nicht einfach so von mir“. Der Satz kommt bei mir an, er betrifft meine Empfindungen, die ich zu meiner ehemaligen Frau auch heute noch habe – „ungeheuerlich, dass Du Dich einfach so von mir trennst“. Das passt auch auf meine Bekannte, die in der Zwischenzeit auch Reißaus genommen hat. Und es hat auch was mit meinem Inneren zu tun. Gibt es das? Angst vor Trennung oder Abtrennung? Ihr Empfinden, ich würde krampfhaft an etwas festhalten, ja, diese Rückmeldung wirkt bei mir.

wird fortgesetzt