Theracoaching – Begleitung einer Führungskraft – Teil 4

Fortsetzung von gestern

Meine Frau hatte damals keinen Trennungs-„Wunsch“ geäußert, sondern es schlicht vollzogen – ein anderer Mann halt. Wenn ich zurückschaue, dann habe ich nicht gekämpft um sie. Obwohl für diese Frau zu kämpfen allemal passend gewesen wäre. Neben meiner tiefen Liebe zu ihr ist mir selbst eines ebenso wichtig – die Würde. Ist es verwerflich, wenn ich sie über die Liebe stelle? Ich komme mir schon etwas komisch vor, aber ich finde, wenn ich nicht mit Würde zu mir selbst stehen kann, dann kann ich auch nicht lieben. An sich habe ich bei meinen Kapriolen mit meiner Bekannten mich schon selbst zum Affen gemacht. Darüber ärgere ich mich sehr.

Wenn ich mich nun neu sortiere, dann ist „leer“ durch Ihre Einwürfe konkreter geworden. In Würde zu arbeiten – nicht nur zu funktionieren. In Würde zu lieben – nicht nur zu versorgen. Sich die Würde zu bewahren ist mir wichtig, aber vielleicht auch Bürde oder Hürde? Stehe ich mir selbst im Weg?

Herr L.: ‚Man trennt sich nicht einfach so von mir‘ – stimmt das? Gehen Sie in Ruhe in sich und schildern Sie die Antwort Ihres Herzens – ein „ja“ oder ein „nein“?

B.L: Nein!

Coach: Wie reagieren Sie, wenn Sie diesen Gedanken glauben „man trennt sich nicht so einfach von mir“ und jemand tut es doch?

B.L.: Wie ein verletztes Tier – den Schmerz verdrängen durch Angriffe, Forderungen …, die die Situation dann doch nur verschlimmern.

Coach: Wenn Sie den Gedanken glauben „man trennt sich nicht so einfach von mir“, dann entsteht bei Ihnen innerlich Schmerz, Anstrengung, Anforderung – eine sehr stressige Situation. Wer wären Sie ohne diesen Gedanken?

B.L.: Ein wertgeschätzter, entspannter Mensch.

Coach: Sehen Sie sich die Gesamtsituation nun einmal an:
1. Sie hegen einen Gedanken, der heißt „man trennt sich nicht so einfach von mir“.
2. Diesen Gedanken haben Sie selbst bereits als unwahr identifiziert.
3. Sie sagen, dass Sie sich wie ein verletztes Tier fühlen, während Sie diesen Gedanken glauben.
4. Sie haben erkannt, dass es Ihnen ohne diesen Gedanken sehr gut gehen würde.
Wenn Sie das einmal aus der Distanz betrachten, fragen Sie sich bestimmt auch: „Warum sollte ich diesen stressenden Gedanken beibehalten, der noch nicht einmal wahr ist?
Es ist also weniger die Realität, die Sie leiden lässt, sondern der Gedanke über eine solche Realität. Bisher halten Sie den Gedanken fest, weil Sie seine Botschaft brauchen.

wird fortgesetzt