Theracoaching – Begleitung einer Führungskraft – Teil 5

Fortsetzung von gestern

Coach: Stellen Sie sich dazu nun einmal den Gedanken als einen Zettel vor. Auf der Vorderseite steht der Gedanke, den Sie bisher glauben. In der Zwischenzeit haben Sie sich erarbeitet: „Der Gedanke, „man trennt sich einfach von mir“, ist nicht wahr, und dieser Gedanke tut mir auch nicht gut.“

Nun wird interessant sein, wie die Botschaft lautet, die der Zettel auf der Rückseite für Sie bereithält. Dazu braucht es ein paar denkende und fühlende Schritte …..

— Hinweis zur Prozessarbeit: Zu Beginn des Dialogs argumentiert der Klient aus einer Haltung der Sicherheit heraus. Für ihn ist sicher, „leer“ zu sein. Nun wird in die Grundsätze der Lebensführung, Werthaltungen und Annahmen des Klienten eingegriffen. Bsp: Ist es für Sie sehr wichtig, etwas Bleibendes zu schaffen oder sollte nicht auch eine Phase möglich sein, das Leben einfach zu genießen? Dieser Arbeitsschritt führt den Klienten zu einer gewissen lebenspraktischen Fragestellung, er deckt Widersprüchlichkeiten auf und das ‚Scheinwissen‘ des Klienten. Bsp.: Wie können Sie die Aussage über etwas machen, es sei hoffnungslos, wenn Sie andererseits sagen, Sie verstünden es/sich (noch) gar nicht?

Werden im Dialog Widersprüchlichkeiten in der Lebensführung entdeckt und realisiert der Klient, dass er seine Lebensführung aufgrund mangelnder Reflexion bisher nicht genügend begründen kann, so sinkt seine Einstellungs- und Verhaltenssicherheit. Der Klient wird unsicher und zunehmend ratlos. Er spürt und erfährt, dass er nichts weiß. Bsp.: Ich sitze fest in meiner Routine, in den sich immer wiederholenden Abläufen und funktioniere einfach nur – es fehlt an befriedigenden Momenten oder einfach an einer Herausforderung – stattdessen diese Leere …….. wozu das alles ?

Im Klienten herrscht ein Zustand der Verwirrung, da das bisher für wahr und richtig Gehaltene und Gelebte, jedoch Unreflektierte und Unbegründete, manchmal sogar radikal verworfen werden muss. Bsp. aus dem Dialog: „Der Satz kommt bei mir an, er betrifft meine Empfindungen, die ich zu meiner ehemaligen Frau auch heute noch habe – „ungeheuerlich, dass Du Dich einfach so von mir trennst“. … Und es hat auch was mit meinem Inneren zu tun. Gibt es das? Angst vor Trennung oder Abtrennung? Ihr Empfinden, ich würde krampfhaft an etwas festhalten, ja, diese Rückmeldung wirkt bei mir.“

Hat der Klient sein Nichtwissen erkannt und akzeptiert, setzt die Phase ein, in deren Mittelpunkt ein innerlicher Appell ergeht, der den Klient zur bewussten Ergreifung seiner selbst führt [mit Frankl gesprochen: hier greift die „Trotzmacht des Geistigen“]. Mit ihr wird die Basis für die Phase des Aufbaus „begründeten Wissens“ eingeleitet. Sie sollen einen Beitrag dafür leisten, dass es gelingt, durch einen tiefen Dialog dem Klienten es zu ermöglichen, bislang undeutliche, verborgene oder verzerrte Einsichten in das Gute in ein klareres Licht zu rücken. Es scheint, als stünden wir im laufenden Dialog in dieser Phase….. —

wird fortgesetzt