Theracoaching – Begleitung einer Führungskraft – Teil 6

Fortsetzung von gestern

B.L.: Offensichtlich kann man sich wohl doch leichter von mir trennen als gedacht. Offensichtlich bin ich für Andere nicht so unverzichtbar und wichtig, wie ich das gerne geglaubt habe. „Man trennt sich leicht von mir“. Ja, das ist Fakt, aber das macht mich betroffen und unsicher, denn ich glaube, dass ein Teil meines Selbstwertgefühls genau von dieser Annahme abhängt. Kann man denn leben und sich gut fühlen, ohne die Anerkennung durch Andere?

Coach: Sie erleben, dass Sie von zwei Menschen verlassen wurden, diese sind nun nicht mehr Teil Ihrer „Gesellschaft“. Derzeit sind Sie weitgehend in Ihrer „eigenen Gesellschaft“. Für die beiden anderen Personen sind Sie derzeit verzichtbar.

Bilden Sie jetzt noch zwei weitere Umkehrungen. Tauschen Sie sich selbst („ich“) mit „man“, oder mit einer anderen Person. Vertauschen Sie die/den anderen („man“) mit sich selbst („ich“, „mir“, usw.). Ändern Sie ferner das Wort „nicht“ in „nicht nicht“.

B.L.: „Man trennt sich nicht so einfach von mir.“ Okay, das habe ich nun verworfen.

Coach: Gut! Der stressende Gedanke, der noch nicht einmal wahr ist, verabschiedet sich also. Sie haben vorher gesagt, ohne diesen Gedanken wären Sie ein entspannter Mensch.

B.L.:  “Man trennt sich nicht nicht einfach, also einfach von mir.“ Das muss ich wohl akzeptieren.

Coach: Genau. Sie werden im Moment nicht benötigt. Sie haben einen Raum erhalten, der sich für Sie leer anfühlt und um den Sie sich nun „kümmern“, da er Ihnen Kummer bereitet.

B.L.:  “’Man trennt sich nicht so einfach von anderen.‚ Ich habe keine Ahnung, wie andere es mit anderen halten.

‚Man trennt sich nicht nicht einfach, also nicht einfach von anderen.‘ Auch hier habe ich keine Ahnung.

‚Ich trenne mich nicht so einfach von anderen – ich trenne mich einfach von anderen: Ich trenne mich von manchen Menschen leichter als von Anderen. Bei manchen war ich wirklich froh, als ich sie los war. Bei anderen tat es mir leid, dass unsere Wege sich trennten. Also stimmt mal der eine, und mal der andere Satz.

‚Ich trenne mich nicht so einfach von mir – Ich trenne mich einfach von mir“:  Ich habe natürlich ein Bild von mir selbst, und zum Teil muss ich mich ja jetzt von diesem Bild verabschieden. Aber das ist nicht leicht. Das neue Bild gefällt mir wesentlich weniger, als das Alte. Also der Satz „ich trenne mich nicht so einfach von mir“ trifft in diesem Sinn eindeutig zu.

Coach: Sie sagen, das neue Bild gefalle Ihnen weniger. Hier noch einmal die beiden Bilder.
Das alte Bild: Eine Person mit Ihrer Lebensgeschichte und abhängig von der Nähe und Anerkennung der Anderen.
Das neue Bild: Eine Person, die frei ist, sich ohne Rücksicht auf Anerkennung um sein eigenes Inneres zu kümmern, weil sie im Moment von Anderen ganz einfach nicht benötigt wird.

Die letzte Umkehrung „Ich trenne mich einfach von mir!“ – wie lautet sie in Bezug auf den Kernsatz Ihrer bisherigen Gedanken?

B.L.: Ich trenne mich von meiner Vorstellung, dass ich meinte, „man trenne sich nicht so einfach von mir“.

Coach: Wie fühlt sich das an?

B.L.:  Freier.

wird fortgesetzt