Theracoaching – Begleitung einer Führungskraft – Teil 7

Fortsetzung von gestern

— Hinweis zur Prozessarbeit: Ein stressender Gedanke wird einer Überprüfung unterzogen. „Ist das wahr?“. Es stellt sich heraus: Er ist es nicht. Der Klient merkt bei „Wie fühlen Sie sich, wenn Sie diesen Gedanken denken?“, dass er sich damit ganz schön unter Druck setzt. Bei „Wer wären Sie ohne den Gedanken?“ stellt er fest: „Ohne den hätte ich ja kein Problem und wäre entspannt!“

Bei den Umkehrungen stellt sich nun heraus, warum er unbewusst bisher trotz Stress an dem Gedanken festgehalten hat: die versteckte, unbequeme Botschaft auf der Rückseite des Gedankenzettels lautet: „Ich trenne mich einfach von mir!, nämlich von einem Teil meines „alten“ Ich.“ —

B.L.: Kann es sein, dass Sie es im Sinn hatten zu zeigen, dass man nach der Trennung von Allem, insbesondere von Abhängigkeiten, erst frei sein kann? Kann es sein, dass mein Problem aber nicht in der Akzeptanz dieser Freiheit liegt, die ja so erstmal sehr attraktiv wirkt, sondern im Verlust der Sicherheit, scheinbar zu wissen, wer oder was ich bin? Was soll denn dann meine Richtschnur sein?

Ich will es mal so sagen: Es ist ja schön, wenn keiner mich braucht, wenn ich tun und lassen kann, was mir gerade in den Sinn kommt, weil die Werturteile der Anderen mir jetzt am A**** vorbeigehen. Aber kann das nicht leicht in absoluten Egoismus ausarten? In Rücksichtslosigkeit? Ich werde dann mit Sicherheit andere enttäuschen. Ich bin nicht mehr berechenbar, verlässlich für andere. Ob ich mich dann besser fühle? Und die Anderen? Ich habe so meine Zweifel.
Ich sehe ja ein, dass es nicht sinnvoll ist, in einem spezifischen Selbstbild zu erstarren, aber der Satz „Ich trenne mich einfach von mir!“ entlockt mir keinen Jubel. Er klingt nach einer Freiheit, die für mich aber eher nach Beliebigkeit, und daher Sinnlosigkeit aussieht.

Das alte Bild hat positive Emotionen in mir erzeugt, die im neuen Bild fehlen, jedenfalls „vor“ den Trennungen. Klar, „nach“ den Trennungen hat das Bild negative Emotionen ausgelöst. Aber gehört das nicht zusammen? Je mehr mir etwas bedeutet, desto besser fühle ich mich, wenn ich es habe, und desto mehr schmerzt es, wenn ich es verliere?

Wenn ich jetzt lerne, dass es mir nichts mehr bedeutet, dann eliminiere ich zwar den Schmerz, aber das gute Gefühl werde ich so auch nicht mehr bekommen.

— Hinweis zur Prozessarbeit: Der Klient erklärt, warum es so wichtig für ihn ist, an der ‚alten‘ Geschichte festzuhalten. Je nach Intensität der Emotion, die daran hängt, kann – mit zeitlichem Abstand – ein neuer „Ist das wahr?“-Zyklus begonnen werden. Zum Beispiel: Ist das wahr, dass es „schön ist, wenn keiner mich braucht“ oder ist das wahr, dass “ich dann mit Sicherheit andere enttäuschen werde“?

wird fortgesetzt