Der Wert des Selbstwertes

Zwei schwierige Begriffe: ‚Selbstwert‘ und ‚Selbstwertgefühl‘. Zwei Begriffe, die einige Fragen aufwerfen. Zum Beispiel: Was ist mein ‚Selbst‘? Welchen Wert habe ich, was bin ich mir wert? Wie fühlt sich mein ‚wertiges‘ Selbst an? Die Psychologie und die Philosophie bietet für diese Fragen eine Fülle unterschiedlicher Antworten an. Wir greifen einmal die heraus, die unserer Arbeit in der KrisenPraxis zugrunde liegt.

Wir unterscheiden das ‚denkende Ich‘ von ‚fühlenden Selbst‘. Das denkende Ich setzt sich Ziele, formuliert Absichten, plant. Das fühlende Selbst greift zurück auf alle bisher emotional erlebte Erfahrungen. Das denkende Ich ist das Zentrum des individuellen Bewusstseins. Das fühlende Selbst ist das unbewusste Reich dessen, was unverlierbar aufgehoben ist in der persönlichen und stetig zunehmenden Vergangenheit. Die Entwicklung des individuellen Wertesystems findet ihr Abbild in der Biografie.

Werden in der Lebensgeschichte die Situationen erinnert, in denen man ’selbst‘ seinen Werten entsprechend sich für jemanden oder für etwas entschieden oder gehandelt hat, oder in denen man sich wider seine eigenen Werte verhalten hat, oder in denen eigene Werte verletzt oder erschüttert wurden, dann fühlt der Mensch sein ‚Selbst‘ im Kontext seiner ‚Werte‘. Selbstwerte werden aus dieser Perspektive also nicht abgeleitet aus Begabungen, Intellekt, Status u.a., die vielleicht eher als ‚individuelle immaterielle Vermögenswerte‘ angesehen werden können.

Mit seinem Selbstwert verweist ein Mensch vielmehr auf seine Freiheit, selbst sein zu dürfen. Um diese Freiheit einzulösen, benötigt der Mensch seine ‚Selbst-Verantwortung‘, die sich darin zeigt, dass er einen fühlenden Zugang zu dem hat, was sein individuelles Wesen auszeichnet, was ihn gegen anderes abgrenzt, wofür er ‚ja‘ sagt, und wofür ’nein‘. Der Selbstwert aktualisiert sich über das Selbstwertgefühl im ‚Ich‘, das über sich selbst ’nach‘-denkt. Das Selbst liegt daher zeitlich vor dem Ich. Bestenfalls weiß das Ich über sein Selbst Bescheid. Steht das Ich im Einklang mit dem Selbst, dann fühlt sich dies für den Menschen ‚echt‘ an und er wirkt im Außen ‚authentisch‘. Erhält der Mensch für diese seine Authentizität aus seinem Umfeld Anerkennung, dann in der Form, dass das Umfeld seine im ‚Ich-Verhalten‘ gelebten Selbst-Werte ’schätzt‘.