Mit Werten aus der Berufs-Ehe-Krise – Teil 3

Fortsetzung von gestern

Manfred L. hat an jenem Tag alles gegeben, um das Kundenprojekt in trockene Tücher zu bringen. Am nächsten Tag soll das Abschlussgespräch stattfinden. Recht ausgelaugt kommt er ins Hotel, in dem er schon so oft zu Gast ist, wird vom Portier freundlich begrüßt und auf den neuen Barkeeper aufmerksam gemacht, der ihm sicher etwas Feines zusammenmixen würde. ‚Vielleicht’, murmelt L., aber so rechte Lust auf einen ‚Absacker‘ hat er nicht.

„Ich hab dann das Fenster geöffnet, den Fernseher eingeschaltet, hab geduscht, mich kurz ausgeruht und dann den Laptop eingeschaltet. Die Mails nahmen kein Ende. Das fühlte sich für mich so an als ob man ein Auto mit Motorschaden voll tankt und dann auch noch vergisst, den Zapfhahn wieder herauszuziehen bis der Sprit überläuft.“…. „Das war ein ganz schlechtes Gefühl, ich hab so gedacht, dass sich keiner um mich kümmert. Ich in diesem 08‐15‐ Zimmer, irgendwo mein Chef, der mich mit neuen Aufträgen ‚versorgt’, ein morgiger Tag mit gestressten Leuten und dann die Autobahn und dann und dann. Und wo bleibe ich?“ … „Dann hab ich angerufen und dann stand diese Frau vor mir, war freundlich und wir hatten eine tolle Nacht. Ich war sehr entspannt.“

Manfred L.´s psychische Dimension funktioniert bestens. Er fühlt sich erschöpft, getrieben und frustriert – er reagiert mit intensivem Verlangen. Dass es sich in sexueller Begierde zeigt und nicht in Form zum Beispiel ‚exzessiv‐ausgleichenden’ Sports, wilder kulinarischer Hingaben oder eines Kaufrauschs mag durch das Spiel von Genen, Hormonen, Trieben, Glaubenssätzen u.a. zu deuten sein – im Kern bleibt sie eine Fokussierung auf die Lust mit dem Wunsch nach psychischer ‚Sättigung’. „Als ich nach Hause ins Wochenende fuhr, war ich gut drauf und dachte, dass auch meine Frau mich in dieser Hinsicht weniger fordernd erleben würde als sie es bis jetzt wohl tat. Am Montag sollte es dann wieder mit den neuen Projekten motiviert weitergehen.“ Sich erneut in die Situation einfühlend, die den Impuls zur Handlung freisetzte, meint L., das wäre eine ‚Mischung aus Schwermut, Isolierung und Ärger’ gewesen.

„Ob es eine Situation mit vergleichbaren Empfindungen gab? An sich nur dann, wenn ich konfrontiert war mit beruflichen Rollenerwartungen, denen ich noch nicht meinte, vollends gewachsen zu sein. Wenn man als Mensch mit Herz und Blut nicht wahrgenommen wird, an sich austauschbar ist, dann fehlen die Nähe und das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. So war es bei mir.“

Menschen brauchen einen Grund zum Glück

Frankl’s Sinntheorie führt den Menschen zur Erkenntnis, dass gewissenhaftes Denken und Handeln einen wesentlichen Beitrag zur Sinnerfüllung leistet ‐ und dieser dann Glück und Zufriedenheit folgen. „Je mehr der Mensch nach Glück jagt, umso mehr verjagt er es auch schon. Der Mensch ist im Grunde nicht darauf aus, glücklich zu sein; was er in Wirklichkeit will ist, einen Grund dafür zu haben, um glücklich zu sein. Hat er diesen guten Grund, dann stellt sich das Glücksgefühl von selbst ein. In dem Maße hingegen, in dem er das Glücksgefühl direkt anpeilt, verliert er den Grund, den er dazu haben mag, aus den Augen, und das Glücksgefühl selbst sackt in sich zusammen. Mit anderen Worten, Glück muss er‐folgen und kann nicht er‐zielt werden“.

wird fortgesetzt