Theracoaching – Begleitung einer Führungskraft – Teil 1

Klient (K): Männlich, 44 Jahre, Führungskraft, geschieden, ein Kind 17 Jahre alt, viele Jahre hoher Leistungsantrieb und „high performance“, aktiv im internationalen Vertriebsgeschäft, seit 6 Monaten Burnout-Symptomatik mit beginnender depressiver Episode, Urlaub mit Konflikteskalation mit neuer Partnerin, Trennung von der Partnerin im Urlaub, zuweilen flache Gefühlsregungen bei seinen Berichten über die berufliche und private Situation.

Coach: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie heute über Ihre Situation sprechen?

K: Nun, wie fühle ich mich? Noch immer leer – einfach leer. Mein Sohn ist jetzt in der Oberstufe am Gymnasium. Es läuft bei ihm gut. Seine Mutter sorgt auch gut dafür. Ich sehe ihn, wenn ich Zeit habe. Ich vermisse ihn oft. Am schlimmsten ist dieser Konflikt – es gibt eigentlich wirklich keinen Grund für mich, mir Sorgen zu machen. Es läuft bestens im Job. Naja, es sind auch nicht Sorgen – es ist aber diese Leere, die mich quält.

Im Urlaub lief es erst gut mit der Dame. Wir konnten die Nächte durchreden – haben wir auch getan. Und klar, wir kamen uns auch sonst näher – aber irgendwie war ich nie so ganz bei der Sache. Meine Gedanken driften ständig ab zu der Frage, was mich noch wirklich antreiben könnte. Ich möchte was hinterlassen. Wissen Sie, was ich meine? Ich meine, ich bin gut im Job, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas bewege. Ich bin jetzt 44 und könnte zufrieden sein. Manchmal möchte ich alles hinschmeißen und anders neu anfangen und dann verurteile ich mich für solche verrückten Gedanken. Leer, ja das trifft´s am besten – ich bin leer…

Coach: Ist es für Sie sehr wichtig, etwas Bleibendes zu schaffen oder sollte nicht auch eine Phase möglich sein, das Leben einfach zu genießen?

K: Ich kämpfe jeden Tag, mache die Sache ernsthaft und gut. Klar, ich weiß, wie’s läuft. Aber was heute gut läuft, ist morgen Vergangenheit. Irgendwie immer das Gleiche. Etwas Bleibendes schaffen? Es gibt doch eh nichts, das bleibt. Ist doch sowieso alles umsonst. Eigentlich will ich mich einfach nur wieder gut fühlen.

Coach: Worin bestand denn Ihr Ziel, als Sie gestartet sind? Welchen Wegweisern sind Sie gefolgt? Und, was bedeutet es für Sie konkret, sich gut zu fühlen?

K: Das sind nun gleich einige Fragen. Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Aber die vielen Fragen machen mir etwas klarer: Ich fühle mich konkret dann gut, wenn ich mich verstanden fühle. So viele Fragen zeigen mir, ich werde nicht verstanden. Ich versteh mich ja selbst nicht mehr. Einfach hoffnungslos, das Ganze. Und ich hatte gehofft, Sie verstehen mich. Ist Ihnen so etwas denn noch nie passiert?

wird fortgesetzt