Mit Werten aus der Berufs-Ehe-Krise – Teil 1

Manfred L. hat ein Problem. Seine Frau las am Wochenende eine SMS, aus der klar hervorging, dass er sich während seines letzten Kundenprojektes einen Abend mit einer anderen Frau käuflich versüßte. Nun war mächtig Streit im Haus. Für Manfred L. droht das Leben aus den Fugen zu geraten. Seit wenigen Monaten verheiratet, ebenso frisch erst Vater einer Tochter, ist er dauernd im Projekteinsatz in Europa unterwegs. Sein Leben besteht aus Kofferpacken, Autobahn, Kundenprojekten, Hotel, Wochenende zu Hause und alles wieder von vorn. Dazu die neue Lebenssituation zu Hause [Kind, nicht mehr im Beruf stehende Ehefrau, …] mit wenig Hoffnung auf Änderung der Zeitgestaltung, die permanenten Trennungen von zu Hause und der beständige Stress, alles irgendwie unter einen Hut zu bekommen – all das bringt Manfred L. in ein Empfinden von emotionaler Beeinträchtigung und subjektiver Bedrängnis. „Ich verstehe mich selbst nicht mehr, wie konnte das geschehen? Ich brauche Hilfe. Vielleicht bin ich krank?“

Manfred L. ist sich sicher: Er hat einen schweren Fehler begangen. Er will seine Frau und Familie nicht verlieren. Er fühlt sich schlecht und bezeichnet sich selbst als ‚Schwein’. Von einigen seiner Freunde habe er zudem die spitze Bemerkung gehört, dass er ganz schön dumm sei, sich auf diese Weise ‚erwischen’ zu lassen. Er habe die letzten Tage kaum mehr geschlafen und er sorge sich um seine Leistungsfähigkeit im Beruf.

In der vergangenen Woche hat L. ein Kundenprojekt zum Abschluss gebracht und am Tag vor der Abschlusspräsentation sei er wie so oft abends in sein Hotelzimmer gekommen, das er als nüchtern‐sachlich beschreibt, hätte sich an den Schreibtisch hingesetzt, um noch einmal seine Mails zu sichten, wäre von der erneuten Menge förmlich erschlagen gewesen und habe keine Lust gehabt, sich mit den neuen Themen zu dieser Stunde noch zu befassen. Er wäre dann auf den Gedanken gekommen, einmal zu schauen, was die Stadt sonst noch so zu bieten hat….

wird fortgesetzt