Trost

Ein Mensch erlebt eine existenzielle Krise. Viele Menschen spenden sofort gut gemeinten Trost. Und bedenken dabei zuweilen nicht, dass es wichtig ist zu wissen, ob und wie ein Mensch in seiner Situation Trost finden will.

Trösten zu wollen misslingt, wenn er vom betroffenen Menschen nicht angenommen werden kann. Hat ein Mensch eine für ihn passende Trostquelle gefunden, dann senkt dies nachweislich das Risiko einer psychischen Überlast. Einen Menschen darin zu stärken, die von ihm gefundene Quelle psychischer Entlastung zu nutzen [sei es das Gespräch, die Musik, der Sport, ein Buch …] ist die Form des Trostes, die hilft und angenommen werden kann. Um dies leisten zu können, ist es unabdingbar, dass Menschen, die trösten wollen, sich die Zeit nehmen, um sich anzuhören, was der Betroffene erzählt.

Nicht hilfreich ist es, dem Betroffenen zu erklären, was ihn trösten könnte. Das vermag ein betroffener Mensch selbst und meist findet er intuitiv genau die Zeilen, Klänge oder die Gespräche, die ihn spüren lassen, dass er in seiner Situation nicht alleine ist oder alleine gelassen wird. Wer um die psychischen Prozesse des Krisengeschehens weiß, der kann einem Betroffenen vielleicht damit eine vorhandene Angst mindern, wenn er deutlich macht, dass in der unnormalen Situation der Betroffene auf seine Weise völlig normal reagiert. Wiederum weniger hilfreich ist es, zu versuchen, die Gefühle des Betroffenen zu interpretieren oder deren Bedeutung in Frage zu stellen. Jemandem, der gerade seinen Arbeitsplatz verloren hat, zu sagen, dies sei vielleicht gar nicht so schlimm, schließlich habe der Betroffene sich ja oft über die schlechte Führung des Vorgesetzten beklagt, mag gut gemeint sein – leider allzu oft sind jedoch solche Relativierungen unpassend und werden als herzlos wahrgenommen.

Dass Trostgeber nicht bemerken, dass ihr Trostversuch ins Leere läuft, liegt in der Regel daran, dass der betroffene Mensch nicht in der Lage ist, sich neben seiner psychischen Belastung auch noch mit den aus seiner Sicht ‚hohlen Worten‘ zu befassen. Seine Rücksichtnahme wird dann so gedeutet, als wäre der Trost passend gewesen, mit der Folge, dass gleich noch mehr davon ‚gespendet‘ wird. Also: ruhiges Hinhören, Präsenz, freundliche Worte und vielleicht auch die Frage, was der Betroffene denn nun am ehesten braucht [und dem Angebot der Unterstützung, dass er das dann auch erhält] – dies sind die Zutaten für eine gelungene Begleitung in einer starken Belastungssituation.