Werte-Gefühl

Standen Sie auch schon einmal staunend vor einem Kunstwerk? Sind Ihnen bei einem Film auch schon einmal die Tränen gekommen? Hatten Sie auch schon einmal in der Natur das Erleben tiefer Zufriedenheit? Haben Sie beim bloßen Anblick eines Menschen schon einmal innige Zuneigung verspürt? Dann hat in diesen Momenten die Verwirklichung individueller ‚Erlebniswerte‘ dazu beigetragen, dass Sie emotional berührt wurden. In einem solchen Moment war es sinnvoll für Sie, zu verweilen. In diesen Momenten fanden Sie Sinn, weil Sie Ihre Werte verwirklichten.

Wertewahrnehmung erfolgt über Gefühle. Der Wert ist das objektive Korrelat zu einem subjektiv erlebten Gefühl. Da, wo ein Gefühl ist, da geht es immer auch um einen Wert. Im Positiven wie im Negativen. Wird einer Ihrer Werte von einem Menschen verletzt, zum Beispiel, dass dem Wert ‚Zuverlässigkeit‘ nicht entsprochen wird, dann ist das Ihnen ‚arg‘ und das Gefühl ‚Ärger‘ stellt sich ein. Nehmen Sie wahr, dass einer Ihrer Werte verletzt wird, aber Sie selbst sind nicht unmittelbar betroffen, dann sind Sie ‚erzürnt‘ und das Gefühl des Zorns stellt sich ein.

Es lohnt, die persönliche Verbindung zwischen Gefühlen und dem eigenen Wertsystem zu reflektieren. Durch Wertebewusstsein weiß ein Mensch, womit er in Beziehung steht, denn ohne Beziehung zu einem Menschen, einer Sache oder einer Aufgabe ist das Erleben von Werten nicht vorstellbar. Mit der Entwicklung persönlichen Wertebewusstseins vermag ein Mensch zudem zu klären, womit er womöglich so sehr in Beziehung steht, so dass der Wegfall dieser Beziehung zu einer Krise führen könnte. Wertebewusstsein ist damit ein wesentlicher Aspekt individueller Krisenprävention. Gute Gradmesser für Werterleben sind die Momente, wo Sie zu sich sagen: ‚Der, die oder das tut mir gut‘; ‚dies oder das sollte so schnell nicht enden‘; ‚der, die oder das bedeutet mir sehr viel‘. Gradmesser für eine Krisenlatenz sind: ‚Nur du tust mir gut‘, ‚das darf auf keinen Fall enden‘; ‚der, die oder das bedeutet mir alles‘.