Aus der Krisencoaching-Praxis I

Helmut B. ist 43 Jahre, verheiratet. Er hat vier Kinder, und er stammt seinerseits auch aus einer kinderreichen Familie. Durch mehrere Umzüge in seinem Berufsleben hat er aus seiner Sicht seine Familie recht gefordert und führt seine gegenwärtigen Leistungs- und Beziehungsprobleme auf diese langdauernde Belastung zurück. Seine Frau hat seit einigen Jahren begonnen, ein ‚Eigenleben‘ zu führen, in dem er immer seltener ‚auftaucht‘. Die Kinder haben altersgemäß ihre eigenen Interessen geformt und gehen diesen auch konsequent nach, mit dem Jüngsten käme er dabei noch am besten klar. Die persönlichen Sozialkontakte von B. reduzieren sich auf wenige Freunde und überhaupt erscheint ihm das Leben zunehmend leblos. Früher ‚mit links‘ erledigte Aufgaben bleiben liegen oder brauchen endlos bis zu ihrer Bearbeitung, das Zuhause spendet ihm nicht mehr positive Gefühle, da er seinen Pflichten und auch seinem Empfinden für Ästhetik nicht mehr in der gewohnten Weise nachkommt. Dies wiederum bereitet ihm die Sorge, dass seine Familie sich auch aus diesem Grund mehr ihren eigenen Themen widmet. Eine Melange aus dem Gefühl umfassenden Kontrollverlusts, Einbruch der Leistungs- und Liebesfähigkeit sowie Selbstvorwürfen breitet sich aus.

Der Klient fühlt sich stark entkoppelt von seinen sozialen Systemen, er emotionalisiert stark, wenn Familienmitglieder, Freunde und Menschen im beruflichen Umfeld seinen Wunsch nach „Herzenswärme“ unzureichend annehmen oder gar  versuchen, sein Empfinden „ich habe den Eindruck, dass ich nur noch funktionieren soll“ kleinreden. Im Coaching erkennt Helmut B. Muster aus seiner Entwicklungsgeschichte: „Ich wurde immer dann gemocht, wenn ich die mir aufgetragenen Pflichten erfüllte. Wollte ich einen eigenen Weg gehen, fühlte ich mich schlecht, da ich Angst vor Zurückweisung hatte. Dann habe ich mich mehr um die Sorgen und Belange anderer gekümmert, aber meine Hilfe wurde dann immer wieder als ‚selbstverständlich‘ abgetan und die Wahrnehmung meiner eigenen Themen blieb meist aus. Meine innere Waage war schon damals unausgeglichen.“

[wird fortgesetzt – Auszug aus drei Coachingsitzungen einer insgesamt aus sechs Sequenzen bestehenden Zusammenarbeit]