Aus der Krisencoaching-Praxis III

Um diese Hypothese zu untermauern, empfehle ich Herrn B., eine Analyse seiner Kommunikationsbedürfnisse vorzunehmen. Er stimmt zu und ich stelle ihm das von Taibi Kahler, einem Schüler des Transaktionsanalytikers Eric Berne, entwickelte ‚Prozesskommunikationsmodell [PCM]‘ vor. Kahler beobachtete Kommunikationsprozesse und hierbei insbesondere Abläufe wie Menschen positiv, aber auch negativ in Gesprächen miteinander umgehen. Hierbei fiel ihm auf, dass die Probanden ein individuell einzigartiges Set bestimmter Sprachmuster und Verhaltensweisen zeigten und diese wiederum dann besonders ausgeprägt, wenn die Kommunikation misslang und die Akteure in ihren Gesprächen deutlich in belastenden Stress gerieten. Kahler erkannte, dass man an der Art wie Menschen sprechen erkennen kann, wie sie sich wohl unter Stress kommunikativ verhalten werden.

Aus seinen Studien leitete er in der Folge sechs verschiedene Kommunikationsbedürfnisstile ab und nannte sie: Logiker, Beharrer, Träumer, Empathiker, Rebell und Macher. Während es dem Logiker im Gespräch darauf ankommt, Gedanken auszutauschen, ist es dem Beharrer daran gelegen, seine Meinungen mitzuteilen. Für den Träumer ist Kommunikation dann gelingend, wenn sie zur Ruhe führt und ihm Impulse zur inneren Bearbeitung geben. Empathiker schätzen Gespräche, in denen über Gefühle gesprochen wird, während Rebell eher nach Spaß und Kontakt ihre Kommunikation formen. Macher schließlich möchten, dass durch Kommunikation Handlung erwächst. Jeder Mensch hat Anteile aller sechs Bedürfnisse, eines jedoch stellt als sogenanntes Basisbedürfnis das Kommunikationsfundament dar. Der Mensch ist bestrebt, durch Kommunikation dieses für ihn zentrale Bedürfnis befriedigt zu bekommen – jedoch: trifft er auf Menschen, die eben dieses Bedürfnis nur sehr schwach ausgeprägt haben, so kann sich hieraus eine Stressbelastung ergeben, weil die Gesprächspartner ihm nicht das geben [können], was er für ein positives Empfinden benötigt. Hält dieser Dystress-Zustand über längere Zeit an, können innerpsychische Prozesse dazu beitragen, dass dieses Bedürfnis zugunsten eines anderen zurückgestellt wird.

In einer bildlichen Darstellung lässt sich dies so darstellen: Das Fundament ist vergleichbar mit einem Erdgeschoss eines Hauses – hier wird in der Sprache des Basisbedürfnisses gesprochen. Sprechen andere Menschen ebenfalls diese Sprache, so fühlt sich der Mensch sicher und wohl. Die fünf Stockwerke über dem Erdgeschoss  repräsentieren die weiteren Kommunikationsbedürfnisse der Person, in einer individuellen Reihenfolge und Ausprägung. Spricht ein Kommunikationspartner nun eine Sprache der oberen Etagen, so fühlt sich der Mensch zunehmend unsicher und kann in einen potenziellen Stressmodus geraten.

[wird fortgesetzt]