Aus der Krisencoaching-Praxis IV

Die Auswertung der Daten von Helmut B. bestätigt meine Hypothese. Sein Basiskommunikationsbedürfnis ist das eines ‚Empathikers‘, gefolgt vom ‚Beharrer‘. Das Empathiker-Erdgeschoss hat Helmut B. verlassen, hier hat er offenkundig über einen längeren Zeitraum keine gelingende Kommunikation mit für ihn relevanten Personen gestalten können. Der damit verbundene Stress könnte an sich nun auf dem nächsthöheren Stockwerk reduziert werden, Helmut B. ‚läutet‘ dazu die Phase des Beharrers ein. Aber es scheint, als würde auch dies noch nicht zum erwünschten Erfolg führen ….
Bild 1Helmut B. reflektiert seine lebensgeschichtliche Entwicklung und beschreibt sich bereits als Kind als einfühlsam und sensibel. Er erinnert zum Beispiel, sich als Fünfjähriger um einen Freund gekümmert zu haben, der aufgrund einer Krankheit lange Zeit tagsüber zu Hause bleiben musste. Hilfsbereitschaft wäre ihm schon immer wichtig gewesen, ob er zu ihr durch die Eltern angehalten wurde, könne er nicht sagen, vermute jedoch, dass er diese Haltung aus eigener Anschauung entwickelt habe. Von jeher tue es ihm gut, wenn er nach seinen Gefühlen gefragt würde und sich jemand darüber freut, mit ihm auch jenseits von Zielen und Maßnahmenplanungen zu sprechen. Leider sei aber nicht jeder an persönlichen und menschlichen Beziehungen interessiert. Früher hätte er gedacht, dass es an ihm läge, wenn die Leute so kurz und knapp waren. Dann war er besonders bemüht, ihnen Gutes zu tun – merkte dann aber auf unangenehme Weise, dass er eine solche Unterstützung nicht erhielt, als einer seiner Vorgesetzten ihn zur Realisierung von Projektaufgaben heranzog, ohne seine damals prekäre private Situation zu berücksichtigen. „Das hat mir dann schon wehgetan als ich ausgesaugt wurde wie von einem Vampir. Es war zudem anstrengend, diesen Anforderungen gerecht zu werden und als dann auch noch gemeckert wurde, hab ich mir schon meinem Herz auf höchster Stelle Luft verschafft.“

[wird fortgesetzt]