Des Menschen Sinnwille ist sein Geistreich

„Das war aber geistreich“ – meist werden schlaue und witzige Bemerkungen von Mensch als ‚geistreich‘ angesehen. In der Tat: wenn eine Meinung, eine Ansicht, eine Perspektive in der Lage ist, einen Menschen zu berühren, zu fesseln, zu neuer Handlung anzuregen, dann hat Geistiges die Wirklichkeit bereichert. Geistreiches vermag es, Entscheidungen sinnvoll und nicht nur zweckdienlich werden zu lassen. Geistreiches brauchen wir besonders in existenziellen Entscheidungssituationen.

Eine Entscheidung – auch die, einen anderen Menschen entscheiden zu lassen – ist eine zutiefst persönliche Angelegenheit. Dies gilt es besonders in Krisensituationen zu beachten, wenn einer betroffenen Person Vor- oder Ratschläge unterbreitet werden, über die sie trotz ihrer Belastung entscheiden soll. Einen Menschen zu Entscheidungen zu bewegen, auch wenn man um seine brisante Lage weiß, hat auf diesen durchaus stabilisierende Wirkung, denn gegen den eigenen Willen entscheidet ohnehin kein Mensch [außer zum Beispiel bei Einflüssen durch Drogen]. Eine hilfreiche Unterstützung besteht für grundsätzlich entscheidungsfähige Menschen darin, dass ihnen eine Überprüfung ihrer Entscheidung dahingehend angeboten wird, die mit ihr verbundenen Sinnmöglichkeiten aufzuspüren. Zeigen sich in einer Entscheidung potenzielle Sinnwidrigkeiten, so gilt es, diese mit der Person auseinanderzulegen.

Wer sich entscheidet, wählt einen Weg und wählt gleichzeitig viele andere ab. Dem Entscheid steht daher der Verzicht zur Seite und auch für ihn ist der sich entscheidende Mensch verantwortlich.
Verantwortlicher Verzicht, der vollzogen wird, um sich über ihn einer wertvollen Aufgabe oder geliebten Person hinzugeben, ist geistreicher Verzicht.