Innere Stimmen und Krisenprävention

Wenn sich Menschen allein mit Ereignissen mit Krisenpotential mental befassen, so beginnt unweigerlich ein Gespräch verschiedener innerer Stimmen. Vielleicht meint eine dieser Stimmen: „seh das nicht so kritisch, es wird schon gutgehen“, eine andere – womöglich ähnlich der Sätze, die die eigene Mutter immer sagte – ruft: „pass auf, die Menschen wollen nichts Gutes“, wieder eine andere entgegnet: „wenn ich hier scheitere, dann ist alles verloren“ und vielleicht meldet sich sogar eine Vierte: „ich will gar nicht daran denken, ich zieh mein Ding nun einfach durch, dann sehen wir weiter.“

Dieser Dialog innerer Stimmen zeigt bestehende Widersprüchlichkeiten in uns auf, die insbesondere dann ‚greifen‘, wenn wir unsicher oder unwissend sind. Stimmengewirr im Inneren zeigt uns daher an, dass zuerst noch eine ‚innere Ordnung‘ geschaffen werden muss, um die aktuelle, erwartete oder mögliche Situation gedanklich bewältigen zu können.

Die vielen Stimmen haben zumeist einen guten Zweck: Sie setzen eine Suchbewegung frei, durch die der Mensch günstigstenfalls einen Weg findet, der ihn vor Gefahren und seelischen Verletzungen schützt und ihn in seiner Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit belässt.

Aber nicht jede innere Stimme ist immer ausgewogen präsent. Manche übernehmen als ‚Hauptselbste‘ die Steuerung des Alltags, mit ihnen fühlen wir uns direkt und stets verbunden und identifiziert, z.B. ‚der Beschützer‘, ‚der Boss‘, ‚der Perfektionist‘, ‚ der gute Vater‘, ‚der Charmeur‘.
Schaut man sich die Funktionen an, die ein Hauptselbst für einen ausübt, so könnte man beim Beschützer vielleicht sagen: „Er ist der, der mich davor bewahrt, meine Impulse nicht mehr kontrollieren zu können“, „er ist der prüfende Blick, damit ich so auf andere wirke wie ich es auch will“, „er trifft meine Entscheidungen“ ….

‚Verdrängte Selbste‘ stellen hingegen die Seiten dar, die der Mensch an sich ablehnt. Sie binden viel Energie und zeigen sich spürbar in Emotionen, wenn sie – oft auch in Träumen – auftauchen. Würden sie ‚freigelassen‘, dann droht eine wie auch immer geartete Sanktion. Der Mensch ist daher bestrebt, diese Selbst wieder zurückzudrängen, wenn sie sich zeigen – daher sind ‚quasi mit einem Bein‘ immer auch im Feld des ‚Beschützers‘.

‚Zerstörerische Selbste‘ waren einst verdrängte Selbste und haben sich quasi ‚destruktiv verselbständigt‘. Sie stellen in der Regel wesentliche Themen für therapeutisches Arbeiten dar, denn ihre Kontrolle kostet die betroffene Person oftmals so große Energien, dass sie – wenn sie nicht mehr aufrechterhalten werden können – den Menschen in Erschöpfung oder Krankheit führen.

‚Verletzliche Selbste‘ – sie zeigen sich meist als Unterform von verdrängten Selbsten und spiegeln in ihrer Dynamik die verschiedenen Seiten des Kindes in uns wider. Das Verdrängen dieser verletzlichen Seiten wird vollzogen durch innere Stimmen der Macht – oder andersherum: ein Macht-Selbst bedarf des inneren Prozesses der Verdrängung individueller Verletzlichkeit. Endet der Verdrängungsprozess durch Integration des Erlebten, so mindert dies den Einsatz des ’sich-selbst-gegen-Verletzlichkeit-zur-Wehr-setzenden‘ Macht-Selbst.

Die individuelle Chiffre der verschiedenen Selbste eines Menschen zu entschlüsseln, ist einem Menschen mit ausreichender Reflexivität und Selbststeuerungsfähigkeit meist schnell möglich. Wir leisten dies mit unseren Kurzzeittherapie-Angeboten mit Methoden der Schematherapie und der Transaktionsanalyse.