Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik für die Krisenprävention – Teil 1

Das Wissen um die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns, gekoppelt mit den neuesten Erkenntnissen der Psychologie, gibt uns heute die Gelegenheit, genauer als je zuvor Menschen darin zu beraten, in eine ihnen angemessene Weise individueller Krisenprävention zu investieren. Wesentlich in diesem Zusammenhang ist es, Einsichten darüber zu gewinnen, wie die Wege der Motivation eines Menschen gebahnt sind, wie er Ziele umsetzt, wie er seine Gefühle reguliert, wie er auf seine Lebenserfahrungen zurückgreift und ob und was ihn blockiert. Julius Kuhl, Professor für differentielle Psychologie an der Universität Osnabrück, hat mit seiner ganzheitlichen Persönlichkeitstheorie die Grundlagen für diese Einsichten geschaffen.

Vier Systeme zeichnen das Psychische des Menschen aus: Das Empfinden, das Fühlen, das Denken und das handlungsorientierte Intuieren [Intuition: Gespür]. Alle vier Systeme sind für Überlegungen der Krisenprävention von Bedeutung.

Mit dem bewussten ‚Empfinden‘ öffnet der Mensch seinen Blick in Richtung potenzieller zukünftiger Lebensrisiken [das ‚Empfinden‘ ist unsere persönliche innere Kontroll- und Prüfinstanz]. Das damit verbundene negative Gefühl gilt es herabzuregulieren – und den Menschen unterstützt dabei sein ‚Fühlen‘, dem System, in dem alle seine Lebenserfahrungen und seine Ressourcen bewahrt sind [das ‚Fühlen‘ ist unser persönlicher innerer Ratgeber und Navigator].

Sich der Facetten dieses System bewusst zu werden, dient dazu, dass der Mensch im dritten System, dem ‚Denken‘, eine Absicht dafür bilden kann, im Falle einer eintretenden Belastungssituation auf bestimmte, ihm angemessene Weise, zu handeln [das ‚Denken‘ ist so etwas wie die Arbeitsvorbereitung, die bei neuen, komplizierten oder komplexen Themen erforderlich ist] unser persönlicher innerer Ratgeber und Navigator].

Da einen Vorsatz umzusetzen mit Arbeit verbunden ist, braucht der Mensch die Fähigkeit, sich ’selbstmotiviert‘ positive Gefühle heraufzuregulieren. Ohne diese positiven Gefühle, bleibt es bei der fixen Idee – mit ihnen gewinnt der Mensch im Rahmen der Krisenprävention das ‚gute Gefühl, im Falle des Falles gewappnet zu sein‘. Gelingt die Aktivierung der positiven Gefühle, dann handelt Mensch zunehmend gewohnheitsmäßig, aus ‚dem Bauch heraus‘ [das ‚Gespür‘ hilft uns daher, etwas tun zu können, ohne langwierige Prüf- oder Vorbereitungsschritte unternehmen zu müssen – in Krisen um diese Gabe zu verfügen, würde einem Menschen daher manches von der Last abnehmen können, über die sonst so oft so berichtet wird].

Die von Julius Kuhl begründete Theorie vermittelt uns ein tiefes Verständnis individueller Motivation, des Bewältigungsverhaltens, der Selbststeuerungsfähigkeiten und des Handlungswillens. Dabei verliert sich der Ansatz nicht im abstrakten Klein-Klein anderer Wissenschaftskonzepte, sondern ist bei aller erforderlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit doch äußerst praktisch in seiner Anwendung.

[wird fortgesetzt]