Max Scheler – und die Sonderstellung des Menschen – 2

„Die Grenze des Psychischen fällt mit der Grenze des Lebendigen zusammen. Neben den objektiven Eigenschaften der Dinge, die wir ,lebendig‘ nennen, wie Selbstbewegung, Selbstformung, Selbstdifferenzierung, Selbstbegrenzung in zeitlicher und räumlicher Hinsicht, ist die Tatsache, dass Lebewesen nicht nur Gegenstände für äußere Beobachter sind, sondern auch ein Fürsich- und Innensein besitzen, in dem sie sich seIber inne werden, ein für sie wesentliches Merkmal. Es ist die psychische Seite der Selbstständigkeit, Selbstbewegung etc. des Lebewesens überhaupt – das psychische Urphänomen des Lebens.“

Die Stufenfolge der psychischen Kräfte:
– Gefühlsdrang
– Instinkt
– Assoziatives Gedächtnis
– Praktische Intelligenz

Die unterste Stufe des Psychischen – zugleich der Dampf, der bis in die lichtesten Höhen geistiger Tätigkeit alles treibt, auch noch den reinsten Denkakten und zartesten Akten lichter Güte die Tätigkeitsenergie liefert – bildet der bewusstlose, empfindungs- und vorstellungslose ,Gefühlsdrang‘. Objektlose Lust und ein objektsloses Leiden sind seine zwei Zuständlichkeiten.
Über „Gefühlsdrang“ verfügen schon Pflanzen.‘

Der Gefühlsdrang ist auch im Menschen das Subjekt jenes primären Widerstandserlebnisses, das die Wurzel alles Habens von ‚Wirklichkeit‘ ist, insbesondere auch der Einheit und des allen vorstellenden Funktionen voranliegenden Eindrucks der Wirklichkeit.“

[wird fortgesetzt]