Max Scheler – und die Sonderstellung des Menschen – 3

Als die zweite seelische Wesensform, die dem undifferenzierten ekstatischen Gefühlsdrang in der objektiven Stufenfolge des seelischen Lebens folgt, haben wir das anzusehen, was wir als ,Instinkt‘ bezeichnen. In diesem Sinne nennen wir ,instinktiv‘ ein Verhalten, das folgende Merkmale besitzt:

Es muss erstens sinngemäß sein, d.h. so sein, dass es für das Ganze des Lebensträgers selbst, seine Ernährung sowie Fortpflanzung, oder das Ganze anderer Lebensträger (d.h. eigendienlich oder fremddienlich) zweckhaft ist.
Und es muss zweitens nach einem festen, unveränderlichen Rhythmus ablaufen.“

Über Instinkt verfügen Tiere, nicht aber Pflanzen.Im Verhältnis zum Gefühlsdrang ist der Instinkt bereits zwar auf artmäßig häufig wiederkehrend, aber doch spezifische – inhaltlich verschiedene, daher nicht ohne Wahrnehmung gegebene – Bestandteile der Umwelt gerichtet. Er stellt als solcher eine zunehmende Spezialisierung des Gefühlsdrangs und seiner Qualitäten dar.“

[wird fortgesetzt]