Seele – Reflexion und Persönliches – 5

Geschieht dies nicht, dann ist die Folge, dass der so Lebende sich selbst zu schützen beginnt. Und eine mögliche Folge dieses Schutzes ist das Entlernen des Subtilen und das Lernen des Rigiden, das Verkümmern der atmosphärischen Intelligenz und das Lernen einer „Überlebenstaktik“.

Der sich so auf dem Weg zum Seelenverschluss wahrnehmende und sich selbst erschreckende Mensch, nimmt sich sehr eingeschränkt und in dieser Einschränkung erneut verletzbar und dadurch vorsichtig wahr. So wundert es nicht, dass der als Trainer, Coach oder Therapeut arbeitende „seel“-sorgerische Gesprächspartner eine Haltung schenken muss, um seelische Wahrnehmung, die zur Öffnung führt, wieder zu ermöglichen. Ich nenne diese Haltung Spiritualität.

Mein Vater hatte keinen Coach oder Therapeuten. Was er in den Zeiten des Krieges wirklich gesehen, erlebt und getan hat, bleibt weitgehend unerzählt. Dies ist nicht selten, weil die Menschen das schwer in Worte zu fassende nicht hören und wissen wollen, um sich mit dem Erhörten nicht selbst zu traumatisieren. So bleibt selbst Erzählbares unerhört – und die Seele schließt sich, individuell und durchaus auch kollektiv als geschlossene Seele einer Gesellschaft, eines Milieus oder eines Unternehmens.

Aber auch die Öffnungen der Seele sind zu spüren. Stellen Sie sich vor, sie sind in einem Kreis von Menschen und Sie hören aus der Ferne, dass zwei Menschen sich sehr verärgert über ein Thema äußern, dabei jedoch gut über Sie sprechen. Spüren Sie, dass sich etwas in Ihnen löst und weitet? Oder stellen Sie sich vor, dass Sie sich mit Ihrem Partner entschließen, an jeweils getrennten Orten Urlaub zu machen – Sie verabschieden sich voneinander und auf Ihrer Reise spüren Sie die Nähe Ihres Partners oder die Freude des Wiedersehens auf einer Art höheren Ebene. Dieses Phänomen der Öffnung der Seele über Räume hinweg verweist auf das Subtile der Seele, dieses Phänomen reicht spürbar weiter als die körperliche oder geistige Wahrnehmung.

[wird fortgesetzt]