Logotherapie als besondere Form beruflicher Seelsorge

Berufliche Seelsorge erfordert vom Besorgten den Willen zum Sinn, den Willen zum sinnvollen Handeln, die Bereitschaft, „trotzdem Ja zu sagen“. Wir verstehen, dass es in manchen Situationen wirklich schwer fallen kann, dem Sinn einen Raum zu geben. Wenn die Last fast erdrückt, dann ist die Arbeit am Sinn für viele Menschen eine vermeintlich weitere Anstrengung. Wir sehen in ihm jedoch gerade die Lösung für die Last und verstehen uns als beratende Logotherapeuten als Begleiter dafür, dass Menschen die Not, die sie spüren, wenden können. In den vergangenen Monaten zum Beispiel bei solchen Themen:

  • „Ich habe einige Jahre lang unsere Kunden zwar legal, aber unvollständig beraten. Dadurch haben diese Menschen in zum Teil hohe Risiken investiert und einige haben bereits große Nachteile erfahren. Wenn ich diese Praxis nun beende, dann ist mein Arbeitsplatz in Gefahr. Ich verspüre eine große Lethargie.“ männlich – 44 Jahre
  • „Als Herstellungsleiterin verantworte ich, dass ich gebotene Qualitätsmaßstäbe aus Kostendruck umgangen habe. Dadurch sind mir nun Umweltschäden offenkundig geworden – eine Korrektur ist zwar vorgenommen worden, aber mich treibt ein Gefühl der Unzulänglichkeit, wie weit ich mich von mir selbst bereits entfernt habe.“ weiblich – 41 Jahre
  • „Mit unseren Aufträgen im Messemanagement sind wir erfolgreich. Der Arbeitsanfall ist hoch, und die Überforderung meiner Mitarbeiter wahrnehmbar. Bei einem Mitarbeiter habe ich die gesundheitliche Situation nicht beachtet, er brach vor kurzem zusammen und war lange Zeit außer Gefecht gesetzt. Es war ihm nicht einmal möglich, bei der Beerdigung seiner Frau dabeizusein, die nach einer schweren Erkrankung verstarb. Ich fühle mich ganz mies.“ männlich – 49 Jahre
  • „Ich komme mit meinem Schicksal nicht zurecht. Zu einem Tag der offenen Tür in meinem Unternehmen habe ich auch einige Freunde mit deren Kindern eingeladen. Ein Kind kam dabei bei einer Maschinenvorführung zu Tode. Ich bin ganz verzweifelt, ohne meine Einladung wäre dies nicht geschehen.“ männlich – 53 Jahre
  • „In meinem Bereich Forschung und Entwicklung habe ich einige Studien bündeln und mit einer Gruppe hochqualifizierter Mitarbeiter zu ersten Teilerfolgen führen können. Die zu erwartenden Reaktionen auf dem Aktienmarkt haben mich zu einem Insiderhandel verlockt. Das hat letztlich zu meiner Kündigung geführt, ein Projekt konnte dadurch nicht mehr fortgesetzt werden und viele Beteiligte haben einen Schaden erlitten. Ich würde das gerne ungeschehen machen.“
    männlich – 47 Jahre
  • „Bei uns herrscht zuweilen ein harscher Ton, das weiß auch jeder, der die Arbeit bei uns aufnimmt. Vor einiger Zeit jedoch ist eine junge Kollegin durch einige anderer gemobbt worden, und ich habe nicht eingegriffen, obwohl ich gemerkt habe, dass hier Grenzen überschritten wurden. Mir hat es an Mut gefehlt und die Kollegin hatte es sehr schwer. Das tut mir leid und ich fühle mich schlecht.“ weiblich – 38 Jahre