Seele – Reflexion und Persönliches – 1

Was ist die Seele? Was meinen wir, wenn wir von der „Seele“ sprechen? Finden wir ein gemeinsames Verständnis für diesen Begriff? Warum sprechen wir von Körper, Seele und Geist? Steht die Seele zwischen Körper und Geist? Können Sie sich noch erinnern, wann Sie dem Begriff der Seele erstmals begegneten? Mir selbst wurde die Seele im Konfirmandenunterricht im Zusammenhang mit dem Doppelgebot der Liebe (Mt 22, 37-39) vermittelt: Jesus aber antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Seele hatte immer etwas Feinstoffliches, Geheimnisvolles und Unfassbares für mich. Und fragte ich danach, was denn Seele sei, so bekam ich Antworten, die mir nicht wirklich weiterhalfen. Im Alten Testament wird für Seele das hebräische נפש (näfäsch) verwendet, das mit „atmen“ (nafasch) zusammenhängt. Das fand ich nun zwar recht konkret, aber nicht hinreichend. Das Neue Testament bot mir für Seele das griechische ψυχή (psyché). Psyche meint hier Leben, Hauch, Atem, Atemseele und auch Schmetterling. Den Griechen weiter auf der Spur fand ich bei Platon die Seele beschrieben als eine unsichtbare, immaterielle, geistige und überkosmische Wesenheit, die in Verbindung mit dem physischen Körper die Sinneswahrnehmungen gestaltet und ordnet. Platon dabei spricht von drei Seelenteilen, der triebhaften Begierdenseele, der muthaften Seele und der Geistseele.

Auch bei den Römern wurde ich fündig. Der lateinische Begriff „anima“ ist eher der Name für das Ganze des leibhaftigen Lebens überhaupt, wird aber auf Deutsch als „Seele“ verstanden. „Animus“, die männliche Form des Wortes, wird mit Geist, Sinn und Mut übersetzt. Für den reinen Geist aber kennt der Lateiner ein eigenes Wort: spiritus = Geist, auch Lebenshauch und Leben.

Der Ursprung des Wortes liegt wohl im urgermanischen „saiwalo“, was „zum See gehörig“ oder „vom See stammend“ bedeutet. Der „See“ als die Metapher für den Aufenthaltsort der Seelen, auch der Ungeborenen und der Toten. Das Wort repräsentiert etwas weitgehendes: das Innere eines Lebewesens, die Triebkräfte und das Gemüt. Lebendigkeit und Belebendes, Belebtes und Überlebendes.

[wird fortgesetzt]