Seele – Reflexion und Persönliches – 2

Ich sah also eine große Bandbreite des Seelenbegriffs und empfand dies nicht gerade hilfreich für einen Menschen, der nach Klarheit sucht. So suchte ich weiter und ging tiefer in die Inhalte.

Auch heute noch wird unter Seele einerseits die „Psyche des Lebens eines biologischen Organismus“ verstanden, also für das Leben der Pflanze, des Tieres und des Menschen. Andererseits wird das Wort auch für das unvergängliche Leben des Menschen genutzt, sofern er auch nach dem Tode seines physischen Körpers dauerhaft mit dem lebendigen ewigen Leben in Verbindung bleibt.

Platon geht dabei noch weiter, indem er sagt: ‚Die Seele ist nicht nur unvergänglich, sondern auch ungeworden.‘ Das bedeutet, dass trotz aller Evolution die unvergängliche Seele zwar eine eine tiefe Beziehung mit einem menschlichen Körper zwischen Geburt und Tod eingeht, jedoch mit ihrem dem Ur-Sein, aus dem alles hervorgeht, verbunden bleibt.

Im 13. Jahrhundert spricht auch Thomas von Aquin von der Unvergänglichkeit und Unzerstörbarkeit der Seele. Immer wenn ein Mensch sich selbst — in seinem Fühlen, Denken und Handeln — mit dem Höheren, Edleren, Sinn- und Lichtvollen verbindet, dient er seiner Seele bzw. gestaltet die Seelenkräfte bis sie seine individuelle Form annehmen. Jetzt kann man im Sinne Viktor Franks hinzufügen: Es ist der geistige „Wille zum Sinn“, der diese Seelenkräfte — die ein permanentes Geschehen sind — bündelt und formt.

Wenn beispielsweise Neid, Haß, Eifersucht und lieblose Härte — alles Äußerungen und Manifestationen der Psyché — die Gefühlswelt eines Menschen auf Dauer dominieren, dann läuft er Gefahr, seine Seelenkräfte zu verlieren, das heißt jene Erlebnisfähigkeit zu verlieren, die ihm die Möglichkeit seiner individuellen Formung bietet.

[wird fortgesetzt]