Seele – Reflexion und Persönliches – 4

Folgen wir dabei den Erfahrungen der Neurophysiologie, dann lassen sich im Körper Orte lokalisieren, in denen Neurotransmitter derart wirken, dass wir Öffnendes zum Beispiel mit Entkrampfung und freier Atmung verbinden können, während bei Verschließendem eine Verkrampfung erfolgt oder einem Menschen ‚der Atem stockt‘. Wenn wir diese Reaktionen genau betrachten, dann erkennen wir, dass wir die chemischen Prozesse und ihre Konsequenzen erleben, nicht aber die „Chemie“ selbst, die beim Spüren des Öffnenden offenbar „stimmt“ oder „nicht stimmt“.

Die Seele leistet eine Wirkung, die wir spüren können. Wir spüren den Output der Seele. Aber was fließt ein in die Seele? Körperlicher Output ist möglich, weil wir dem Körper Nahrung zuführen. Gehirn-Geistiger Output ist möglich, weil wir dem Gehirn Daten zuführen. Was aber führen wir der Seele zu?

Wenn ich meinen Klienten und Patienten zuhöre, dann habe ich oft den Eindruck, dass man sie allzu oft nicht mit der Seele wahrnimmt, sondern sie mit dem Verstand auf „funktionierend, wissend und fit“ reduziert. Selten wird erkannt: Diese Menschen suchen liebende Blicke – und werden durch ihre Suche verletzbar.

In unserer Elterngeneration gaben Krieg, Flucht, Gefangenschaft, Vertreibung und Elend der Seele wenig Spielraum zur Öffnung. Heute sind es moderne, traumatisierende Seelenverschlüsse in Form von Gewalt, Ignoranz, Desinteresse, Verlassenheit, chronischem Stress, vielleicht auch entpersonalisierte Virtualität ohne jeglichen Kontakt und zudem noch die belastenden Geheimnisse oder Tabus aus früheren Zeiten. Wenn wir also auch sagen können, dass wir im Frieden leben und Wohlstand genießen, so steht dem doch die Verantwortung gegenüber, mehr Seelenarbeit zu leisten.

[wird fortgesetzt]