Die Burnout-Lüge

Vielfach wird Burnout in den unmittelbaren Zusammenhang gebracht mit einer ausbeuterischen, neoliberalen, einzig profitmaximierenden Leistungsgesellschaft, die die arbeitenden Menschen nachhaltig überfordert. Stichworte wie Selbst-GmbH, Enthierarchisierung, Mitarbeiter als Unternehmer, Globalisierungen und permanente Veränderungen, Flexibilisierungen, Beschleunigungen oder Verdichtungen deuten an, dass überindividuelle Zusammenhänge als Auslöser für Burnout auszumachen seien. Der Reflex lässt nicht lange auf sich warten: Der einzelne Mensch muss gegen diese Mächte aufrüsten – insbesondere mit Stressmanagement, das an der Oberfläche kratzt, im Kern jedoch die Frustration nur noch steigert, wenn die erlernten Tipps und Tricks an der Wirklichkeit verglühen.

Eine solche Feuer-Lösch-Strategie funktioniert bei echten psychischen Notlagen mit Krankheitswert nicht. Ebenso wenig wie Unternehmenswerte noch beherzigt werden, wenn ein Unternehmen sich am Marktgeschehen erschöpft. Oder wie Betriebliches Gesundheitsmanagement, das dann dem Spardiktat zum Opfer fällt, wenn die Kasse nicht mehr klingelt. Machen wir uns nichts vor – unsere Werkzeuge sind stumpf geworden, nicht nur weil es ihrer viel zu viele gibt, sondern weil mit ihnen jahrelang eines suggeriert wurde: Dass der einzelne Mensch sich die Arbeit der Werteklärung und Selbstaufklärung sparen kann, weil es eben so schöne Instrumente gibt, auf die zuzugreifen ja so einfach ist. Die Folgen spüren wir nun schmerzlich: Menschen sind voller Weltwissen, sind sich über sich selbst aber oft völlig unkundig. Menschen jagen Zwecken nach und verwechseln dies mit dem Sinn in ihrem Leben. Menschen fühlen sich fix und fertig und beklagen ihr Schicksal, schalten aber auch Durchzug, wenn es in eigener Sache etwas zu lernen und zu klären gilt. So bleibt Burnout leider vielfach das, was es ist: Machsal, vom Einzelnen gemacht und von keinem geschickt.

Jeder Mensch hat Bedingungen. Doch jeder Mensch kann sich so oder so diesen Bedingungen stellen. Dies sagt Viktor Frankl, und Recht hat er. Wer permanent meint, dass es nur so gehen muss, wer glaubt, dass die Bühnen des Lebens dazu da sind, die persönlichen Probleme zu lösen, der missachtet einen Grundsatz: Nicht das Leben ist vom Menschen zu befragen, sondern der Mensch ist der vom Leben Befragte. Er hat sein Leben zu beantworten. Wer dazu nicht bereit ist, der verbrennt sich irgendwann. Wer bereit ist, aber dazu einer Wegbegleitung bedarf, der findet in der Logotherapie und in der sinnzentrierten Krisenprävention die passende Unterstützung.