Seele – Reflexion und Persönliches – 12

Die Seele liegt für mich außerhalb der beschreibungsfähigen Welt und nähert sich damit Worten wie Gott, All oder Licht. Drum:

Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte läßt sich trefflich glauben,
Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.

(Gespräch zwischen Mephistopheles und Schüler, Faust, 1. Teil)

Martin Buber sagte einmal, in jedermann sei etwas Kostbares, das in keinem anderen sei und er meinte jenes innere Land, in dem sich Immanenz und Transzendenz berühren. Das ist mir eine gute Formulierung: Seele als jenes innere Land, in dem sich Immanenz …… (Immanenz (lat. immanere, „darin bleiben”) ist Gegenbegriff zur Transzendenz und bedeutet in der Philosophie Spinozas die Anwesenheit Gottes in der Welt, bei Kant in erkenntnistheoretischer Sicht das Verbleiben in den Grenzen möglicher Erfahrung) ……. und Transzendenz (Überschreiten von Grenzen des Verhaltens, Erlebens und Bewusstseins, sowie das Sichbefinden jenseits dieser Grenzen) berühren. Das Bild des Landes greift schon Heraklit auf: „Der Seele Grenzen kannst du nicht ausfinden, auch wenn du gehst und jede Strasse abwanderst; so tief ist ihr Sinn“.

Der Reichtum der Seele ist dabei nur durch die Mitarbeit des Körpers erreichbar, seelisches Erleben wird also durch den Körper vermittelt – ein Faktum, das die moderne gehirnphysiologische Forschung eindrucksvoll beweist und damit gleichzeitig Gefahr läuft zu behaupten, dass Seelenkräfte durch das Gehirn hervorgebracht würden.

Weit mehr als wir es uns zuweilen wünschen oder es uns auf den ersten Blick vorstellen können, haben wir mit den Tieren gemeinsam. Unsere rein psychische Dimension kennt Regungen wie Ehrgeiz, Wettbewerb- und Oppositionssucht, Neid, Haß und Eifersucht, die alle den ewigen Seelenkräften Widerstand leisten. Doch genau aus diesem Widerstand heraus kommt Reife, Wachstum und Entfaltung – letztlich vielleicht auch die tiefe Sehnsucht nach einer Entwicklungsstufe, die höher ist als das bislang vorstellbare. Hier inhaltlich anzusetzen, ist aus meiner Sicht der Inhalt der Spiritualität.

[wird fortgesetzt]