Seele – Reflexion und Persönliches – 13

Das Wort Spiritualität bedeutet zunächst Geistigkeit – im Gegensatz zur Materialität. Einen spirituellen Weg zu gehen bzw. eine spirituelle Haltung dem Leben gegenüber einzunehmen heißt aber nicht, auf Materielles und auf Benutzung der Materie im weitesten Sinn zu verzichten. Eine geistige, eine spirituelle Haltung im eigentlichen Sinn setzt gerade voraus, das Geistige im physischen Leib, im Alltagsleben, in der Materie zu verkörpern.

Spiritualität bedeutet niemals die Leugnung der materiellen, der physisch-irdischen Realität, um dadurch allzu schnell sich aus dem Irdischen herauszulösen und in eine vermeintliche und eingebildete spirituelle, geistige Dimension einzutreten. Wahre, echte Spiritualität bleibt immer im fühlenden Kontakt mit den irdischen Wurzeln des Menschen: mit dem eigenen Körper, mit dem Beziehungsgeflecht Ich — Du — Wir und mit der ganzen irdisch-physischen Materie, die der Verkörperung des Geistes dient und nicht der Vergeistigung des Körpers oder der Materie. Alle Strebungen und Strömungen, die den Körper vergeistigen wollten und noch wollen,sind für mich spiritualistische Strebungen, aber nicht Spiritualität.

Spiritualität als Gesamthaltung zielt auf das Heiler-Werden des Menschen in seiner Gesamtheit. Spiritualität wird in einem Menschen irgendwann geweckt durch ein Ereignis oder Erlebnis und vollzieht sich dann als ein persönlich-individueller Reifungsprozeß. Dabei geht der Mensch einen inneren, aufwärts führenden Weg in Richtung seiner ureigenen Selbst-Entfaltung durch Sinnverwirklichung im Alltag. Hier gabeln sich auch die Wege von Religiosität und Spiritualität. In der Religiosität bleibe ich gebunden in der kulturellen Prägung eines Systems. Spiritualität befreit mich von diesem System und ermöglicht mir die Wahl, von der Frankl sagt: Ich bin nie frei von Bedingungen, aber ich bin immer frei, mich diesen Bedingungen gegenüber zu stellen.

[wird fortgesetzt]