Seele – Reflexion und Persönliches – 14

Ob jüdisch, christlich, buddhistisch oder wie auch immer die Spiritualität eines Menschen geprägt sein mag, stets handelt es sich aus meiner Sicht um einen Weg des Individuums zu seinem hohen und höchsten Ziel, der sich einer jahrtausendealten chinesischen Weisheit verpflichtet fühlt:

Bevor du dich daran machst
die ganze Welt zu verbessern,
gehe drei Mal durch dein eigenes Haus!

Gehe in dein ‚Haus‘ hinein, ordne dort, was zu ordnen ist und dann geh hinaus in die äußere Welt und wirke, was du bewirken sollst! Hier und damit beginnt Spiritualität.

Das lateinische Verbum ’spirare‘ bedeutet hauchen, atmen. Spiritus also Hauch, Atem, Geist – die Nähe zum Seelenbegriff wird offenkundig. Die alten Römer wussten, dass ’spiritus‘ den ewigen Geist bedeutet und genau daraus leitet sich der Begriff Spiritualität ab. Den sogenannten Gehirn-Geist, den Verstand und den Intellekt, bezeichneten die Lateiner mit dem Wort ‚mens‘, wovon das Wort Mentalität abstammt. Der Spruch „mens sana in corpore sano“ bringt damit klar zum Ausdruck, dass ein gesunder Verstand in einem gesunden Körper wohnt [die Übersetzung des Spruches mit „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ ist mithin eine Fehldeutung]. Wenn also zum Beispiel in der Logotherapie Viktor Frankls von mentalen Störungen und nicht von Geisteskrankheiten gesprochen wird, dann findet sich in dieser Begriffsklarheit der entsprechende Hintergrund.

Seele und Spiritualität – beide sind für mich Qualitäten auf der Suche nach dem, was jeden einzelnen überschreitet. Meine eigene Suche zu Beginn meiner Entwicklung vollzog sich mehr auf der Ebene der Erklärungen und Deutungen. Heute steht das Phänomen Seele mehr im Sinne der ‚Formung einer Geistes-Haltung‘ im Fokus meines Interesses. Und für Sie?