Seele – Reflexion und Persönliches – 8

Ist die Seele so gesehen etwas Übergeistiges oder etwas Vorgeistiges? In meinen Erlebnissen habe ich festgestellt, dass es Beschreibungen und Deutungen gibt, die meine Seele nicht annehmen kann, obwohl der Verstand bereit ist, einen grundsätzlichen Gedanken aus diesem Kontext zuzulassen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Gegenwart sind Appelle, die Nähe zu bestimmten Personen meiner Familie zu suchen – die Vernunft sagt mir, dass das wohl möglich sei, die Seele aber zuckt und macht zu.

Werden dann die Deutungen sogar noch wiederholt, werden sie für die Seele zu einer weiteren oder neuen Verletzung. Selbst sehr genaue Versuche, einem Umstand auf die „vernünftige“ Spur zu kommen, bedeutet also noch nicht, dass die Seele mitspielt und das „Gedachte“ zur „Beseelung“ zulässt. Umso „unverständlicher“ können Seelenkräfte manchmal wirken, wenn sie einen Beitrag dazu leisten wollen, dass ein Mensch sich befreien und entfalten will. Seele ist für mich deshalb bei allem Feinstofflichen auch etwas noch Un-Interpretiertes.

Dieses Un-Interpretierbare mag verglichen werden mit dem, was wir als „leeren Raum mit Sinn“ beschreiben könnten. Wir wissen, dass der Kern eines Atoms im Vergleich zu seiner Hülle einen etwa 10000fach grösseren Durchmesser hat. Würde man ein Atom auf die Größe des Kölner Doms aufblähen, dann wäre der Kern so gross wie eine Fliege und die Masse dieser Fliege fast so gross wie die des Doms. Das Atom, so können wir sagen, besteht daher fast ausschließlich aus leerem Raum. Schauen wir also tief in unsere Materie, so werden wir zumeist leeren Raum entdecken und die Frage steht im Raum, bedeutet „leer“ dasselbe wie „nichts“? Ich meine nein. Ich meine, im leeren Raum findet sich das, was sich nicht mit Ego oder Ich beschreiben lässt. Ich meine, in diesem Raum ist die spürende Stimme, die z.B. sagen kann: Schön, dass es ist.

Während diese Vorstellung der christlichen Perspektive entspricht, die Seele sei ein von Gott geschaffenes Etwas, das mit materiellen Körpern verbunden in Erscheinung tritt und sich wieder von ihnen löst, wird sie in anderen Kulturkreisen als Teil eines Allgeistes oder einer unteilbaren „Weltseele“, als ein Teil Gottes selbst, angesehen. Spinoza meinte, Seele/Geist und Körper seien eins, in seinem Monismus sind alle Aspekte zusammen Attribute des Daseins, die gleichzeitig und gleichwertig existieren und nicht voneinander geschieden werden können. Alle materiellen Dinge ebenso wie die mentalen Vorgänge der Menschen seien nur Modi einer Substanz, nämlich Gott. Descartes wiederum vollzog die Trennung von Geist und Materie. Für ihn (1596 bis 1650) war die Zirbeldrüse (Corpus pineale) der Sitz der Seele: ein kleines Organ im Epithalamus (einem Teil des Zwischenhirns), in dem das Hormon Melatonin produziert wird, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert.

[wird fortgesetzt]