Seele – Reflexion und Persönliches – 9

Beide Perspektiven sind Strömungen zahlreicher Variationen des Leib-Seele-Problems, ohne dass eine dieser Variationen nun die Wahrheit an sich für sich beanspruchen könnte und einen Höhepunkt vielleicht in der Auffassung des Arztes Rudolf Virchow findet, der sagte: „Ich habe so viele Leichen seziert und nie eine Seele gefunden.“

In weiteren Standpunkten wird das Verhältnis von Seele und Geist thematisiert. In einem Lehrbuch der Anthropologie fand ich eine Definition der Seele des deutschen Ethologen, also Verhaltensforschers, Werner Fischel. Dieser sieht in der Seele „die erlebende zielstrebige Gesamtheit aller anklingenden, steuernden und schaffenden überkörperlichen Regungen“. Und vom Geist sagt er, dieser sei eine der Seele gegenüber selbständige, aber von ihr geformte Ganzheit aller höheren Gedächtnisinhalte, der Ideale und der Alltagserfordernisse, die insgesamt Erlebnisse bedingen können. Wenn ich recht verstehe, heißt das: die Seele bildet – zumindest weitgehend – den Geist. Die gegenläufige Ansicht dazu vertritt der französische Jesuit und Philosoph Teilhard de Chardin, der erklärt, dass eine gesteigerte Verdichtung des Geistigen (das aller Materie innewohne) zur Bildung der Seele führe.

Cicero findet Anhänger in der Ansicht, die Seele müsse stofflicher Natur sein, „denn nur Stoffliches kann wirken und leiden“. Der Wiener Psychologe Rohracher fragt dagegen: Wer ist glücklich oder unglücklich? Vielleicht das Gehirn? Und er meint dazu, Zellen und Atome können nicht leiden, die Materie könne weder Angst noch Hoffnung empfinden – ergo, „Der Mensch ist mehr als sein Gehirn.“

[wird fortgesetzt]