Archiv für den Monat: Mai 2016

Das Erleben einer Unternehmenskrise – II

Fortsetzung von Teil I

Der Schockphase folgt eine Form der Verleugnung. Dass sich das Unternehmen in einer existenziellen Krise befindet, wird negiert und die Situation kleingeredet – oft in der Weise, dass temporäre konjunkturelle Einflüsse für die aktuelle Lage herangezogen werden. Die Wirkung dieser irrationalen Haltung, auf die Selbstheilungskräfte des Marktes zu setzen, erkennen Außenstehende daran, dass Führungskräfte wie paralysiert unfähig erscheinen, Entscheidungen zu treffen, eben weil das Heil in der erhofften Änderung der äußeren Lage gesucht wird. Hat sich diese Haltung manifestiert, erscheint ein Management zuweilen kollektiv im ‚Vogel-Strauß-Modus‘ und externe Empfehlungen hinsichtlich radikalerer Veränderungen werden abgewehrt.

‚Gehorcht‘ der Markt letztlich nicht und eine Besserung ist weiterhin nicht in Sicht, erlebt man in einer krisenbelasteten Organisation eine Art ‚Aufbäumen‘ bei gleichzeitiger Beschau der Tatsachen. Noch so unwahrscheinlich wirkungsvolle Maßnahmen werden erwogen, Entscheide werden hektisch und emotionalisiert getroffen, ihre Zweckdienlichkeit kaum mehr hinterfragt. Das Konfliktpotenzial innerhalb des Managements, des Managements und interner oder externer Peers oder auch des Managements mit externen Beraterpartnern steigt enorm an – vielfach sucht man nun Lösungen durch Einsatz von rechtlichen Mitteln. Diese fördern zwar das positive Gefühl, nicht handlungsunfähig zu sein, konterkarieren jedoch oftmals die zwischenzeitlich eingetretenen, deutlich reduzierten Gestaltungsmöglichkeiten aufgrund von Machtverschiebungen zum Beispiel in Richtung Fremdkapitalgebern oder Wettbewerbern.

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 6 Jahre]

Kindern im Alter von 5 und 6 Jahren ist noch nicht bewusst, dass jedes Lebewesen eines Tages sterben wird. Jedoch sind sie in ihrer Entwicklung so weit gereift, dass ihnen im Falle des Todes zum Beispiel eines Familienmitglieds, eines Freundes oder auch eine Tieres die Situation auch als ‚Tod‘ konkret benannt werden kann.

  • Kinder nehmen in diesem Alter alles, was ihnen gesagt wird, wortwörtlich. Versuchen Erwachsene, einen Todesfall mit anderen Begriffen zu umschreiben, riskieren sie deutliche Irritationen und Vertrauenseinbußen, die meist dann entstehen, wenn das Kind von anderer Stelle mit der ‚Wahrheit‘ konfrontiert wird
  • Vermeiden Sie starke Emotionalisierung und Nervosität in Ihren Gesprächen mit Kindern in diesem Alter – je mehr Sie die Lage aufgeregt darstellen, umso intensiver wird sich das Kind für die Situation und die Wirkung auf Sie interessieren
  • Erlauben und ermuntern Sie das Kind, Fragen zu stellen, wenn es welche hat. Erlauben Sie sich selbst, dem Kind zu sagen, dass es Ihnen womöglich nicht möglich ist, alle Fragen zu beantworten
  • Weichen Sie in keinem Fall aus, wollen Sie nicht Gefahr laufen, dass das Kind ein Geheimnis vermutet – erinnern Sie sich, wie Sie selbst als Kind mit ‚geheimen Sachen der Erwachsenen‘ umgegangen sind. Erhält ein Kind in diesem Alter keine Antwort, dann findet es sie woanders
  • Klarheit und Stütze helfen vermeiden, dass ein Kind seine offenen Fragen mit Fantasien oder Ängsten ‚ausgleicht oder sein Bedürfnis nach Sicherheit und Verlass als bedroht empfindet …

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 4 Jahre]

Für Kinder unter vier Jahren stellt der Tod noch nichts Bedeutungsvolles dar, insbesondere ist die Endgültigkeit, die der Tod markiert, für das Kind noch nicht erfassbar. Wichtig ist daher, dass Bezugspersonen, die zum Beispiel in der Trauer um einen Menschen stehen, nicht vergessen, dass das Kind

  • mindestens eine vertraute Bezugsperson braucht, die ihrerseits sich ihm emotional zuwendet, es ermutigt und die von ihm gezeigten Gefühle zulässt
  • klare Strukturen und Abläufe wie Essenszeiten, gemeinsames Spielen, Gutenachtgeschichte benötigt
  • einen Lernprozess beschreitet, indem es einen Verlust zu überwinden lernt, selbst wenn er mit großer Trauer und tiefem Schmerz verbunden ist
  • in altersgerechten Erzählmodus über Trennung, Sterben, Abschied, Tod mehr erfahren soll, zum Beispiel durch den Einsatz von Märchen oder Parabeln
  • nach und nach den Tod anhand der Prozesse in der Natur, zum Beispiel bei Pflanzen oder einem Tier zu verstehen lernt
  • lernen soll, dem Tod mit aktiver Handlung entgegenzutreten, zum Beispiel, indem man es ermuntert, einen Grabschmuck zu fertigen
  • nicht von Erinnerungen abgekoppelt werden soll, sondern vielleicht angeregt wird, eine Sammlung kleiner Erinnerungen an das, die oder den Verstorbene[n] zusammenzutragen…

Nicht wer sich gezwungen in Gefahr begibt, ist tapfer,
noch wer aus Übermut der Gefahr entgegenläuft, sondern nur,
wer um seiner Erkenntnis willen auf sich nimmt,
was die Pflicht des Gewissens fordert.
Darum schweige das Lob gefahrvoller Taten,
und es erhebe sich der Ruhm der aufrechten Gesinnung.

Erich Mühsam

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [allgemein]

Für ein Kind wird Schmerz und Trauer ausdrücken können, wenn es in seinem Leben zum Beispiel den Wegzug eines Freundes in eine andere Stadt, den Verlust einer Spielsache, den zeitweiligen Weggang eines Elternteils aus beruflichen Gründen usw. hat verarbeiten müssen. Der Tod jedoch stellt eine völlig andere Erfahrungsdimension dar. Der Tod zum Beispiel eines Geschwisters bedarf zwingend der emotionalen Absicherung durch einen Erwachsenen. Diese Bezugsperson gibt Orientierung, kindgerechte Rückmeldung und Stabilisierung. Ohne eine solche Person kann sich ein Trauergefühl beim Kind nur schwerlich ausbilden – im Gegenteil: Wird es mit seiner unabänderlichen Situation allein gelassen, kapselt sich seine Trauer ein und es entsteht eine Emotionsinsel. Auf ihr ist das Kind mit sich und seinem Schmerz isoliert. Es passt sich zwar an neue Situationen an, jedoch mit dem Preis, dass es diese Anpassungen vornimmt, ohne die jeweiligen Situationen angemessen einschätzen zu können.

Kinder brauchen daher altersgerechten Schutz und die Sicherheit, dass der nahe Erwachsene mit der Schwere, vielleicht sogar mit dem Grausamen der Situation handelnd und kommunikativ umgehen kann. Es braucht ausreichende Information, Rückzugsmöglichkeiten, Struktur und Angebote, ihren Empfindungen individuellen Ausdruck verleihen zu dürfen.

Das Erleben einer Unternehmenskrise – I

Wenn ein Unternehmer oder leitender Manager sein Unternehmen in eine existenzielle Not geraten sieht, greifen ähnliche Reaktionsmuster wie bei persönlichen, individuellen Krisen. Zuerst wird in der schockhaften Ungewissheit, in der die Frage noch ungeklärt ist, was überhaupt wie genau geschehen ist, die Person meist zuerst von Außen aufgerüttelt. Zum Beispiel, wenn die Hausbank mit der Kündigung von Kreditverträgen droht oder wenn die Unternehmensleitung durch eine Beratungsorganisation auf ein nicht mehr handhabbares Risiko aufmerksam gemacht wird.

Eher selten empfindet der Unternehmer die beginnende Krise aufgrund eigenen Gespürs und wenn doch, dann zeigt sich dennoch die Unfähigkeit, die Situation in ihrer Tragweite zu überblicken, einen Handlungsplan zu zu entwerfen und mit klarem Kopf Entscheidungen zu treffen.
Dies umso eher, wenn das Unternehmen in die Entwicklung eines Frühwarnsystems zu wenig oder keine Energie gesteckt hat, wenn das Unternehmen patriarchalisch oder autoritär geführt wurde [wie dies zum Beispiel bei VW im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre kolportiert wurde] oder wenn durchaus verfügbare Informationen aus Angst vor Repressalien von internen Fachleuten zurückgehalten wurden. Auch eine zu visionär-optimistische Gangart kann ihren Beitrag zu leisten, dass wichtige Zäsuren nicht rechtzeitig vorgenommen werden und eine derart führende Unternehmerpersönlichkeit kann jäh in ein Gefühl der Hilflosigkeit, Angst oder Panik fallen, wenn sich das Blatt schnell wendet und sich erhoffte Ergebnisse nicht einstellen.

Neben der misslichen Situation des Unternehmens stellen Unternehmer und Manager auch ihre eigene Lebenssituation in ein kritisches Licht. Sie sorgen sich um ihre Reputation, ihr Image oder fürchten Verluste ihres persönlichen ‚Marktwertes‘. Gerade diese spontanen, auf die Privatperson projizierten Ängste erschweren zusätzlich den Zugang zu einer sachlich-nüchternen Auseinandersetzung mit der eingetretenen Situation.

 

Man sieht die Blumen welken
und die Blätter fallen,
aber man sieht auch Früchte reifen
und neue Knospen keimen.
Das Leben gehört
den Lebendigen an, und wer lebt,
muss auf Wechsel gefasst sein.

Goethe

Wenn Krisen ihren Ursprung in der Kindheit haben – II

Menschliche Bedürfnisse und ihre Verletzung stehen in engem Zusammenhang mit dem Empfinden von Krise. Müssen Bedürfnisse kurzfristig hintangestellt werden, so entsteht vielleicht eine Stresssymptomatik. Werden sie dauerhaft nicht befriedigt, zum Beispiel aufgrund eines erschütternden Ereignisses oder aufgrund ihrer Missachtung in der Kindheit, dann kann dies zu erheblichen Beeinträchtigungen in der psychischen Entwicklung eines Menschen führen.

In verschiedenen psychologischen Theorien wurden die Grundbedürfnisse von Menschen zusammengestellt. Klaus Grawe, führender Wissenschaftler in der Psychotherapieforschung, stellt vier Grundbedürfnisse heraus:

  • Bindungsbedürfnis
  • Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz
  • Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung

In der Schematherapie, in der die Verletzung kindlicher Bedürfnisse besonders stark im Fokus steht, sind fünf emotionale Bedürfnisse bedeutsam:

  • Sichere Bindung zu anderen Menschen haben (Sicherheit, Stabilität, nährende Zuwendung und akzeptiert werden)
  • Autonomie, Kompetenz und Identitätsgefühl entwickeln können
  • Freiheit, berechtigte Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken
  • Spontaneität und Spiel
  • Realistische Grenzen gesetzt bekommen und selbst die Kontrolle innehaben

Nach Schulz von Thun können diese Grundbedürfnisse so zusammengefasst werden:
wertvoll sein – geliebt sein – frei sein – verbunden sein.

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