Wenn die Krisenfalle zuschnappt

Wenn bewährte Handlungswege, die bisher Kontrolle, Kraft, Sicherheit oder auch Würde ‚garantierten‘ gerade dann und unerwartet nicht mehr wirken, wenn sie am dringendsten benötigt werden, dann fühlen sich Menschen meist inkompetent, schwach, hilflos und ausgeliefert. Die ohnehin schwierige Lage wird noch bedrohlicher und als gefährlich empfunden. Steigt nun der selbstgemachte Handlungsdruck, so steigt in der Folge auch das Ohnmachtserleben [denn wäre dies nicht so, dann hätte die Person ‚lediglich‘ ein Problem, das mit den vorhandenen ‚Bordmitteln‘ offenbar gelöst werden könnte].

Es ist also ‚psycho-logisch‘, dass Kampf [in Form extremer Hektik] eine ungünstige Intervention darstellt. Ihre mangelhafte Wirkung führt im nächsten Schritt zu Gegenreaktionen der Flucht, der Vermeidung oder der Leugnung. Da auch diese ‚Strategie‘ misslingt, erstarrt die Person [in Form des ‚einfach-nicht-wahrhaben-Wollens‘, der Bewegungsarmut, der Unterwerfung an die vermeintlich unlösbare Situation].

Diese Eskalation wird begleitet durch den berühmten Tunnelblick, die Flutung mit Affekten wie der
Angst, Wut oder Niedergeschlagenheit und durch Abspaltung oder Verdrängung des Erlebens. Dem jetzt hohen Grad der Konfusion begegnen Menschen mit [Auto]-Aggression, um das Gefühl der Handlungskontrolle wiederzuerlangen. Dies jedoch auch nicht ohne Folge, denn nun stellen sich Schuldgefühle ein, da die Aggression womöglich gerade die Menschen vergrault hat, deren Unterstützung so wichtig ist. Das Risiko steigernder Suizidalität ist gegeben, allemal aber die Gefahr, dass sich das kontraproduktive Verhaltensmuster automatisiert, der Betroffene wie in Trance seine Impulskontrolle verliert. Es ist klar, dass in einem solchen Zustand Selbststeuerung, Planung oder die Klärung wichtiger Entscheidungen kaum mehr alleine möglich wird. Aber auch die externe Unterstützung, die dem Betroffenen hilft, eine neue Zielrichtung einzuschlagen, muss sich gewahr bleiben, dass ein neues Ziel nunmehr als ‚in Form gegossene Bedrohung‘ angesehen werden kann. Dann nämlich, wenn neben der Minderung der Selbststeuerung die Person sich zusätzlich fremdbestimmt [z.B. durch Ärzte, Banken, Familienmitglieder …] erlebt.

All diese psychischen Prozesse führen parallel [siehe bei Viktor Frankl die Aussagen zum ‚psycho-physischen Parallelismus] zu körperlicher Symptomatik wie: Hypertonie, erhöhter Herzfrequenz, Problemen mit der Atmung, der Körperkoordination, einem veränderten Muskeltonus, Hormonschwankungen, Hyperkinetik u.a.

Denkempfehlung: Wenn Sie von einer Krisensituation betroffen werden, dann versuchen Sie, die Haltung einzunehmen, dass nicht das Ereignis selbst die Situation zur Krise macht, sondern einzig die Art, wie Sie sie verarbeiten. Wenn Sie für sich klarhaben, dass ihre bestehenden Muster nicht geeignet sind, der Situation zu begegnen, dann ist Ihnen damit automatisch auch klar, dass nur [Denk-, Verhaltens-, Kommunikations …]-Muster, die Sie selbst neu anlegen und immer wieder – und damit verstärkend – einsetzen, einen Ausweg ermöglichen.

Unterstützung von außen muss darin bestehen, Sie zur Entwicklung dieser Muster an bestehende Ressourcen und Bedürfnisse wieder rückzubinden und damit der Aktivierung sogenannter negativer ‚Ego states‘ [wie sie sich in Selbstvorwürfen, Selbstwertminderungen … äußern] entgegenzuwirken.
Anmerkung: Diese persönlichen Entwicklungsschritte lassen sich auch präventiv gehen, mit deutlich geringerem Zeit- und Kostenaufwand als mitten in einer Krise.