„Murphys Law von Andreas.“ Dokumentation eines Manager-Coachings bei einer multiplen Krise – Teil 4

Fortsetzung vom 7. August 2016

Die Erzählungen von Herrn Vermont zeigen mir bis hierhin eine Perspektive, die geprägt wird durch seine Autonomie in Entscheidungsprozessen, seinen schnellen und verstandesbetonten Zugang zur Welt, seine Erfolgsorientierung, ein Streben nach materieller Sicherheit und den Wunsch, dass seine Umgebung positiv auf ihn reagiert und dies für ihn Ausdruck des Selbstwertes ist. Aus verschiedenen ‚diagnostischen‘ Brillen, die ich während unseres Gespräches aufsetze, nehme ich einen Menschen wahr, der extrovertiert auftritt, intuitiv spürt und autodidaktisch lernt, nach Faktenlage eine Situation beurteilt und einen Struktur und Sicherheit schätzenden Lebensstil pflegt. Ich nehme einen Menschen wahr, der Präferenzen im analytischen, konzeptionellen und strukturierenden Denkstil zeigt, während das soziale, auf zwischenmenschliche Belange fokussierende Denken weniger deutlich zu Tage tritt. Auf der Bewusstheitsebene [vgl. Beiträge zum Konzept Spiral Dynamics auf dieser Webseite] orte ich Herrn Vermont stark im Ordnungs- und im Leistungs-Mem.

In Bezug auf seine Kommunikationsbedürfnisse höre ich schließlich aus dem Sprachduktus von Herrn Vermont einen Menschen sprechen, dem es um Genauigkeit des Sachinhalts, um zügige Umsetzung in Handlung und um einen lebendigen Austausch geht, bei dem ‚auch nicht zum Lachen in den Keller gegangen wird‘. Andreas Vermont bestätigt meine Wahrnehmungen und reflektiert, dass er sich damit doch auch recht wohlfühle, viel erreicht habe und es sicher Lebenswege gäbe, die weniger Zufriedenheit und Glück widerspiegelten als sein bisheriger.

Und doch – akzeptiert Herr Vermont meinen als Frage formulierten Hinweis – gibt es nun das vage Gefühl, dass eine Schwelle im Leben erreicht ist, die nun vom ihm verlangt, etwas zu entwickeln, was ihm vorher noch nicht möglich war. „Ja, das sehe ich auch so. Es ist für mich so, als wäre mein Leben gerade im Zustand einer Primzahl. Wie ich auch über die entstandene Situation denke, ich komme nicht weiter als bis zu meinen Gedanken, und ich sehe auch nicht, auf welche
Gedanken ich so recht verzichten kann.” „Also können wir festhalten, dass Ihre Gedanken Ihnen für das Jetzt eine nur unzureichende Klarheit erzeugen? Dass es etwas Neues braucht, damit künftige Gedanken wieder klar werden?” „Stimmt. Was könnte das sein?”

Ich spüre die Eile in den Worten von Herrn Vermont und ich nutze die Metapher des Weges, den wir gerade gegangen sind und der auf sein Ende zusteuert. „Wir sind nun einige Zeit durch Ihr Leben spaziert. Sie sind 43 Jahre alt, Sie sind also ‚eine Primzahl alt‘. Das, was war, auf seinen Einfluss auf die Gegenwart hin zu untersuchen, wäre sicher möglich und vielleicht auch erhellend. Dennoch möchte ich Ihnen einen anderen Weg vorschlagen. Im kommenden Jahr sind Sie 44 Jahre alt, diese Zahl können Sie durch 1, 4, 11 und 44 teilen. Ihr ganzes Leben ist die 1, dieses Leben ist ein Original, es gibt es nur einmal. Die 4 repräsentiert die Ganzheit, wenn wir zum Beispiel an die vier Jahreszeiten, die vier Himmelsrichtungen, an den Vierklang Empfinden-Fühlen-Denken-Handeln oder an Physis-Affekt-Kognition-Nous denken. Zur karnevalistischen Zahl 11 haben Sie über Ihre Mutter als Kölnerin ja ohnehin eine gewisse Verbindung, und so manche Humoreske, die Sie in Ihrer Lebenserzählung einbrachten, zeigt mir an, dass es in unserer Zusammenarbeit auch darum gehen kann, trotz der Belastung, die Sie zweifelsohne haben, den Weg zum Humor stets offenzuhalten. Und so könnte das 44. Lebensjahr das Jahr werden, in dem Sie aus ganzheitlicher Sicht und einer freudvollen Stimmung heraus Ihr Recht auf ein gelingendes Leben konstruktiv durchsetzen.”

Herr Vermont greift das Zahlenspiel auf und meint, dass es dann jetzt sein erstes Ziel ist, innerhalb von elf Wochen Klarheit über seine berufliche Positionierung zu erlangen. Dieses Ziel zu erreichen liegt ihm umso mehr am Herzen, da er Aufwendungen im Zusammenhang notwendiger Unterstützungen seines Sohnes vermutet, die einer stabilen finanziellen Grundlage bedürfen. „Einen Ausflug ins Ungewisse kann ich mir nicht leisten”, betont er. Als darüber liegendes Ziel formuliert er aufgrund der Reflexionen aus seiner biografischen Erzählung, dass er erarbeiten will, welche seiner Persönlichkeitsmerkmale „einer Revision bedürfen”, denn „es tut nicht gut, jetzt so dazustehen, wenn das Leben bisher doch so voll war.”