„Murphys Law von Andreas.“ Dokumentation eines Manager-Coachings bei einer multiplen Krise – Teil 5

Fortsetzung vom 11. August 2016

Herr Vermont steht unter Druck, als zahlenorientierter Manager sucht er nach einer handhabbaren und effektiven Form, um zu einer Verbesserung seiner Situation zu gelangen. Da er seine berufliche Situation klären will, frage ich ihn, welche Ideen er wohl hätte, um die empfundene Unklarheit weiter zu steigern? Neben dem grundsätzlichen Vorteil dieser Intervention, die darin besteht, dass der Klient am Ende erkennt, was bisher noch nicht eingetreten ist, mithin, dass bisher einige mögliche Verunsicherungsstufen vermieden wurden, bietet sich die Frage bei Herrn Vermont an, da er selbst mit einer Portion Humor seine Lage zu Beginn kommentierte. Und so entsteht diese Übersicht:

  • Mich für die Kompetenzentwicklung meiner Mitarbeiter nicht interessieren
  • Informationen über das Image des Unternehmens nicht einholen
  • Ungenaue Delegation von Aufträgen
  • Akzeptanz schwammiger Präsentationen von Angestellten
  • Meetings ohne Stringenz
  • Reden um den heißen Brei herum
  • In Überlegungen über strategische Optionen durch VV oder AR-Vorsitzenden nicht integriert werden
  • Angst vor klarer Positionierung innerhalb des Vorstandes zu haben für den Fall einer Verschlechterung der gesundheitlichen Situation von Tim
  • Bezüglich technologischer Neuerungen nicht up to date sein
  • Den Projektverlauf der Priori-A-Maßnahmen nicht auf dem Radar haben
  • Das Führungsverhalten meiner Direct Reports nicht einschätzen können
  • Die Wirkung der abgeschlossenen Maßnahmen nicht evaluieren können

Nach der Zusammenstellung dieser Übersicht wirkt Herr Vermont erleichtert. Er konnte sich kein Verhalten vorwerfen, das derlei Unklarheiten bisher begünstigt hätte – im Gegenteil, ihm erschien gerade sein Klarheit schaffendes Vorgehen in der Unternehmenssituation als erforderlich. „Und von Ihren Vorstandskollegen, Ihren an Sie berichtenden Mitarbeitern und dem AR-Chef haben Sie dazu ja auch keine Kritik gehört, oder?” „Nein, aber Sie wissen doch, wie schnell sich das Blatt wenden kann, wenn es eine Lobby erst einmal geschafft hat, sich gegen einen zu verbünden.”

Andreas Vermont sieht in Bezug auf die unklaren Einflussfaktoren seine Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Wo soll er ansetzen, wie soll er vorgehen, wer spielt in diesem System, das er ja noch nicht so gut für wen eine Rolle? Herr Vermont steht zweifelsohne unter Stress. Die Situation schätzt er als belastend, kaum kontrollierbar und unvergleichbar mit seinen bisherigen Lebenserfahrungen ein, sein Bewältigungsrepertoire hält er für ‚zahnlos‘, seine Energie aufgrund der privaten Vorkommnisse für erschöpft.