Die Existenz analysieren?

Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse [1905-1997] begründete mit seiner ‚Existenzanalyse‘ sein sinntheoretisches Gedankengut. Die Existenzanalyse kann verstanden werden als das ‚Menschenbild‘, auf dem operativ die Arbeit der sinnzentriert therapeutischen Praxis fußt. Diese sinnzentrierte Therapie nennt Frankl ‚Logotherapie‘ [logos – hier verstanden als ‚Sinn‘]. Frankl steht hierbei zwar in der Tradition der Existenzphilosophie [Jaspers, Heidegger, Kierkegaard] und der Phänomenologie [Scheler], geht aber über beide hinaus.

Die Existenzanalyse begleitet den Menschen auf der Suche nach seinem individuellen Sinn im Leben und die Logotherapie begleitet ihn dort, wo er diesen Sinn nicht finden kann, um die vorhandenen Hindernisse und Blockaden aufzuspüren und aufzulösen. Existenz [existere = hervortreten] ist dabei stets ein Prozess, denn der Mensch kann zu jeder Zeit entscheiden. Und was entscheidet er? Wer er im nächsten Moment sein will. Im Rahmen einer Existenzanalyse steht daher nicht die Analyse von Existenz im Fokus, sondern es wird analysiert, wie ein Mensch existiert.

Existenziell zu leben meint logotherapeutisch, in Freiheit und Verantwortung selbstbestimmt zu leben. Ein solches Leben sagt ‚unbedingt‘ Ja zum Leben, es wartet nicht darauf, dass andere das eigene Leben positiv beeinflussen, es ist ein ‚entscheidendes‘ Leben. Gelingt es nicht, eine Entscheidung zu finden, also nicht ‚ja‘ zum [Arbeits-, Beziehungs-, …]Leben zu sagen, dann sind die Logotherapie oder das Logocoaching die Methoden der Wahl. Sie sind die Plattform, auf der verloren gegangene Orientierung wieder zurückgefunden werden kann.

Das Ziel der Logotherapie und des Logocoachings ist die Bewusstmachung und Intensivierung der individuell gelebten Sinnfülle durch die Hinführung zu einer frei gewählten Verantwortung. Dabei – und das unterscheidet die Logotherapie von allen anderen Therapierichtungen – wird der Mensch nicht als das Ergebnis innerpsychischer Prozesse oder umweltlicher Einflüsse allein angesehen. Physis, Psyche und Umwelt nehmen zwar Anteil, wesentlicher jedoch ist die Fähigkeit des Menschen über sich selbst hinauszureichen, für jemanden oder etwas da zu sein, was man nicht wieder selber ist.

Sinnverwirklichung [Frankl] ist daher deutlich mehr als Selbstverwirklichung [Maslow]. Sinn zu verwirklichen bedeutet, das Recht auf ein gelingendes Leben einzulösen. Dies führt dazu, dass in der Logotherapie und im Logocoaching das, was jetzt und ab sofort möglich ist, immer stärker im Fokus steht als das, was war oder durch was auch immer Begrenzungen erfuhr. Das Gründeln in der Vergangenheit wird so wenig wie irgend möglich und so viel wie absolut zum Not wenden erforderlich praktiziert. Warum diese Zuspitzung? Weil: Am Ende jeden Tages zählt nur die konkrete Handlung, nicht das Wissen um mögliche Handlung.