Krisenbewältigung = Selbstwachstum + Willensbahnung

Wer in einer Krise steckt. der will sie zumeist möglichst schnell wieder loswerden. Das ist verständlich, denn die negativen Empfindungen sind derart stark, dass die mit ihnen verbundenen ‚psychischen Schmerzen‘ oft in gleicher Stärke erlebt werden, als wäre eine körperliche Verletzung oder Krankheit eingetreten. Viktor Frankl nannte dieses Phänomen schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts ‚psycho-physischer Parallelismus‘ – heute ist diese Erkenntnis gängiges Wissen in der Psychosomatiklehre.

Und weil man Schmerzen nicht lange ertragen mag, versuchen viele Menschen, ihnen mit einem ‚viel hilft viel‘ aktionistisch zu begegnen. Auch dies ist in der Psychologie bekannt – wir sprechen hier von sogenannten Erstreaktionen, die aus den beiden psychischen Systemen ‚Empfinden‘ und ‚Gewohnheitshandeln‘ hervorgehen. Die Gefahr, der Fehler, der eingetretene Mangel oder Verlust wird zuerst als ernster Zustand bewusst ‚empfunden‘ und wird dann mit unbewusst vollzogenen Gewohnheitshandlungen – in der Regel in Form von Abwehrmechanismen – versucht, in den Griff zu bekommen. Im psychischen Rucksack eines Menschen finden sich – je nach individueller Entwicklung – eine Reihe solcher Abwehrhandlungen. Klassiker sind zum Beispiel die Leugnung der Lage [… ist doch gar nicht so schlimm] oder die Verdrängung [… was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß]. Je nach Temperament einer Person [sanguinisch-cholerisch-melancholisch oder phlegmatisch] werden diese Abwehrstrategien mit individueller Energie vollzogen. Und je nach Situation gesellt sich dann auch noch eine erste negative emotionale Erstreaktion [Angst, Trauer, Wut oder Scham] hinzu.

‚Psycho-logisch‘ können wir nun sagen, dass – würde eine solche Erstreaktion positive Wirkung zeigen – der Mensch gar keine Krise haben kann, sondern lediglich ein gegebenenfalls komplexes Problem. Wirkliche Krisen zeichnen sich aber gerade dadurch aus, dass ein derart schnelles ‚Lösungsmittel‘ nicht verfügbar ist. Und weil es nicht zur Verfügung steht, gerät der Mensch in den Zustand des Selbstzweifels [was soll ich nur machen …]. Jetzt nimmt er wahr, dass die eigene Welt wirklich ‚aus den Fugen‘ geraten ist.

Und wie das Wort ‚Zwei-fel‘ anzeigt, hat die Person nun auch zwei Möglichkeiten, sich den Bedingungen zu stellen: entweder mit Resignation, Selbstaufgabe, Rückfall in alte Verhaltensmuster, Krankheit, Suizid. Oder mit einem Perspektivenwechsel, der ihn befähigt, den trotz der Situation zwar verloren geglaubten aber per se nicht verloren gegangenen Sinn wiederzufinden und sich neu auf ihn auszurichten [selbstgesteuerte Motivation]. Wird dieser Weg gegangen, kommen zwei andere psychische Systeme ins Spiel: das fühlende Selbst und das denkende Ich.
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Das Fühlsystem beinhaltet alle Lebenserfahrungen des Menschen und insbesondere sein Wertesystem. Das Denksystem hingegen plant, formt Absichten und entwickelt Ideen und ermöglicht die Willensbahnung, also den Übergang ins Handeln.Von diesen beiden Systemen stellt das Fühlsystem den eigentlichen Schatz zur Bewältigung einer Krise bereit.

Da Sinn dadurch gefunden wird, indem ein Mensch seine Werte verwirklicht, ist die Kenntnis des eigenen Wertesystems verbunden mit den von ihm ausgehenden positiven Gefühlen der Schlüssel zur Überwindung der Belastungssituation durch wiedergefundenen Sinn. Das Dumme ist nun zumeist, dass Menschen sich ihre Werte selten bewusst machen. Und wenn sie sie sich bewusst machen wollen, ihnen unklar ist, wie sie dies methodisch anstellen sollen oder wie sie herausfinden können, welche ihrer Werte wirklich ihre eigenen sind und nicht Übertragungen durch Verhaltenserwartungen ihrer Eltern oder weiterer Bezugspersonen im Leben.

Um hier Werteklärung im Sinne bewussten Selbstwachstums herbeizuführen, ist das Gespräch mit einem darauf spezialisierten Logotherapeuten [sinn- und werteorientierte Psychotherapie] oder logotherapeutisch versierten Coachs die Methode der Wahl. Kein anderer psychologischer Zugang ist derart im Rahmen einer Kurzzeitbegleitung wirkungsvoll – über 600 Evaluationsstudien belegen dies eindrücklich.

Noch besser ist es allemal, diese Klärungsarbeit nicht erst dann zu leisten, wenn eine Krise eingetreten ist. Die anormale Situation mit ihrer Brisanz und emotionalen Überflutung plus die Erkenntnis, das eigene Wertesystem womöglich bislang nur unzureichend reflektiert zu haben, strengt die betroffene Person oft zu sehr an.

Besser ist hier die individuelle Krisenprävention, genau mit einem solchen integrierten Ansatz der werteorientierten Klärungsarbeit. Unser Konzept Life2Me, das im Winter 2016/2017 an den Start gehen wird, bietet diese Möglichkeit an.