Kann man Sinn machen? – II

Der Begriff ‚Sinn‘ kennt verschiedene Verwendungsweisen. Eine meint soviel wie ‚Richtung‘  des Wortes Sinn unterschieden. Das Wort Sinn wird in der Bedeutung von Richtung verwendet und stellt den Menschen damit vor die Frage, wohin er sich aufmacht? Wofür ist es gut, sich hiermit und nicht damit zu befassen? Wozu braucht mich die Welt hier und nicht da? Diese Richtungsfrage ist – aus unserer Perspektive der sinnzentrierten Psychotherapie – bedeutender als die Frage nach dem ‚woher komme ich‘? Denn selbst wenn ich es mir wünschte, ich kann das ‚woher‘ nicht mehr ändern, sehr wohl aber das ‚wohin‘ [siehe auch Stichwort Orient].

Eine andere Bedeutung von Sinn hat mit der Fähigkeit des Menschen zu tun, dass er werten kann. Ich kann das Leben mit einem Kind in einer Rangfolge höher werten als das Leben in Ungebundenheit. Ich kann praktischem Denken einen höheren Wert beimessen als dem Denken n Ideen oder Konzepten. Ich kann Fernsehen mehr Wert zuschreiben als der FAZ. Menschen werten permanent und wenn etwas mehr Wert hat, dann könnten Menschen daraus schließen, dass es auch sinnvoll ist, es anzustreben, es zu besitzen. In einem solchen Sinnverständnis ist alles ein Gut. Und ein Gut ist, was wertvoll ist.

Die meisten der Sinnverständnisse führen den Menschen dazu, anzunehmen, er könne sich Sinn machen. Wenn ich also mein Leben mit einem Kind führen will, dann gestalte ich mein Lebensmodell so, dass das möglich wird. Dann macht es für mich Sinn, mein Leben so und nicht anders zu leben. Nur: In einer solchen Denkrichtung stellt der Mensch sich ins Zentrum und befragt sein Leben: „Liebes Leben, wie stelle ich es an, dass ich dich mit einem Kind an meiner Seite lebe?“ Und der Mensch wartet auf Antwort und bekommt sie meistens in Form einer selbst gemachten. Handelt er nun seiner eigenen Antwort entsprechend und führt dieses Handeln nicht zum Erfolg, dann empfindet der Mensch sein Leben schlechtenfalls als ’sinnlos‘. Erleben wir einen Menschen in einer solchen Verfassung, dann regen wir zum Perspektivenwechsel an. Zum Beispiel damit: Auf welche Ihrer Fragen hat Ihnen Ihr Leben genau so geantwortet wie Sie es erwarteten?

Antworten auf diese Frage sind spannend. Die antwortende Person gibt zu verstehen, dass sie Sinnproduzent war. Und wir fragen dann weiter nach dem Rezept, den Zutaten, den Bedingungen – und ernten nicht selten ein Staunen im Gesicht, wenn klar wird, von wie viel anderem als von der Person selbst es abhängt, dass etwas geschieht. Wenn klar wird, dass ‚Sinn‘ kein ‚Etwas‘ ist, das hergestellt wird. Sondern ein Vorhandenes, das gefunden wird.