Menschenbild der humanistischen Psychologie

Mit Abraham Maslow wird in der Psychologie ein Grundstein gelegt für ein Menschenbild, das sich sowohl von der Psychoanalyse als auch vom Behaviorismus deutlich unterscheidet. Die humanistische Psychologie versteht sich seither als Gegenentwurf zu den beiden großen Richtungen der ‚Tiefenpsychologie‘ [Grundlage: Psychoanalyse und Individualpsychologie] und der ‚Verhaltenstherapie‘ [Grundlage: Behaviourismus]. Der Reduktionismus wird abgelehnt, eine ‚Rehumanisierung‘ der Psychologie angestrebt, indem der geisteswissenschaftlichen Aspekt wiederbelebt und die ganzheitliche Sicht auf den Menschen betont wird.

Das Anliegen des Humanismus besteht darin, den Menschen davor zu bewahren, dass er sich für untermenschliche Zwecke missbrauchen oder von übermenschlichen Mächten unterwerfen lässt. Jeder Gottglaube wird so als Einschränkung der Humanität und Autonomie angesehen. Grundlage der Humanistischen Psychologie ist eine materialistische Philosophie, die sich ausschließlich mit den immanenten und sichtbaren Bezügen befasst.

Dem Menschen wird ein gewisses Maß an Entscheidungsfreiheit zugestanden, wenngleich der Einfluss der Umwelt als sehr hoch eingeschätzt wird. Dennoch ist der Mensch grundsätzlich dazu fähig, seine ihm innewohnenden Möglichkeiten zu verwirklichen [Selbstverwirklichung].

Wahrend Psychoanalyse und Behaviorismus mehr von einem biologischen Darwinismus ausgehen, ist die Humanistische Psychologie von einem Sozialdarwinismus geprägt. Die Bedürfnishierarchie von Abraham Maslow ist die dabei wohl bekannteste Modellmetapher – ihr höchstes Ziel, die Selbstverwirklichung, ist nur von wenigen privilegierten Menschen erreichbar, während sich der einfache Mann täglich um die Befriedigung basaler Bedürnisse kümmern muss.
Dem Postulat des Philosophen Jean Jacques Rousseau steht die Humanistische Psychologie nahe – sie sieht den Menschen an als von Natur aus gut.